free simple site templates

Der coachforcare Blog

Einblicke in unsere Arbeit, Hilfreiches und Wissenswertes für den Alltag in der Pflege

Block Panel here

Würde im Augenblick: Unser Ansatz zum Umgang mit Demenz für Angehörige und Pflegekräfte

21/09/2021 09:32:10.




Zum Welt-Alzheimertag am 21.09.

Alzheimer als eine Form von Demenz ist eine Herausforderung sowohl für Betroffene als auch für Angehörige und Pflegekräfte. Gedächtnisverlust, Verwirrung, Veränderung von Stimmung und Charakter oder Schwierigkeiten mit alltäglichen Aktivitäten sind nur einige der auftretenden Symptome. Wie können Angehörige und Pflegende mit dieser Aufgabe umgehen? Wie können wir die Würde der Betroffenen bewahren?


Eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde
Als Alois Alzheimer 1906 den Fall der Auguste D. auf der Jahresversammlung der Südwestdeutschen Irrenärzte in Tübingen präsentierte, hätten weder er selbst noch die anderen Anwesenden erwartet, dass hier eine Erkrankung benannt wurde, die noch über 100 Jahre später allgegenwärtig ist: Unbehandelbar, von immer größerer Bedeutung für die alternde Gesellschaft und noch immer Ursache für erhebliches Leid für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Letzten Endes aber auch für viele Menschen "eigenartig" – wie Alzheimer die Erkrankung nannte. "Eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde" war der Titel seiner Präsentation.

1901 kam die damals 51 jährige Patientin Auguste D. in Frankfurt in seine Behandlung, die Symptome wie kognitives Defizit, Sprachstörungen, Orientierungsstörungen, Wahn und schwierige Verhaltensstörungen zeigte. Sie wurde stationär aufgenommen und starb viereinhalb Jahre später. 1910/1911 berichtete Alzheimer dann über einen zweiten Fall und wurde – wohl ohne sein Wissen – in der achten Auflage des damals führenden Fachbuches zur Psychiatrie von seinem Chef Kraepelin fest mit dieser "präsenilen" Demenz verknüpft. Hier tauchte zum ersten Mal der Begriff "Morbus Alzheimer" auf.

Es ist nicht klar, ob es Alois Alzheimer damals (oder in späteren Jahren) bewusst wurde, dass er die Beschreibung eines Krankheitsprozesses lieferte, die sich bis heute als Muster für neurodegenerative Erkrankungen gehalten hat. Noch heute haben wir nicht verstanden, was genau bei diesem Prozess im Gehirn stattfindet, haben bis heute nicht erkannt, welche Risikofaktoren und Belastungen tatsächlich eine Alzheimer-Demenz auslösen können. Über 100 Jahre Forschung und Beobachtung haben aber immerhin eine Reihe von Details geschärft und vermittelt. Die Abbauprozesse im Gehirn können heutzutage deutlicher beschrieben und auch durch moderne Untersuchungstechniken früher und vor allem ohne Eingriff am Gehirn der Patienten erkannt werden. Auch sind erste Medikamente entwickelt, die zumindest teilweise die pathologischen Prozesse zu verlangsamen scheinen – in Einzelfällen. Dennoch sind wir nach wie vor in einem sehr diffusen Bereich unterwegs und die Forschung blickt auf wenige, wirklich gesicherte Erkenntnisse.

Würde im Augenblick bewahren
Diese Unschärfe in der wissenschaftlichen Betrachtung lässt uns mit einer Aufgabe zurück: Wir müssen Versuchen das Beste im Sinne der Betroffenen aus der fehlenden medizinischen Behandlung zu machen. Das Wichtigste ist immer, dem Menschen mit Demenz die ihm eigene Würde zu erhalten. Wir, als die Menschen der Umgebung und ohne Demenz, haben die Aufgabe, uns zu kümmern.

Ein Mensch, bettlägerig, keine Zähne im Mund, nicht in der Lage mehr als "ahh" oder "lalalala" zu sagen, etwas vor sich hin zu brabbeln, im Bett hin und her zu wackeln, möglicherweise sich einzunässen oder schlimmeres, löst bei den meisten Betrachtern zwei Einstellungen aus: Die eine ist "oh wie süß"… "schau nur, wie er lacht"… und ein ganz fröhliches Lächeln, denn man hat ein Baby betrachtet, das in den ersten Monaten seines Lebens die Welt erobert. Die andere Einstellung ist ziemlich gegenteilig, denn man betrachtet einen alten Menschen, jemanden der sein Leben zum größten Teil hinter sich hat. Aber dieses Leben ist mit Würde zu betrachten.

Würde zu bewahren, bedeutet in einem solchen Moment, zu erinnern, dass dieser Mensch schon viel geleistet hat. Ganz viel erlebt hat. Viele bedeutsame und noch mehr bedeutungslose Handlungen getan und Sätze gesprochen hat. Würde bewahren bedeutet, sich nicht von der Vergangenheit oder der Zukunft leiten zu lassen, von den Erinnerungen an die guten Tage oder der Befürchtung des nahen Endes. Wir sollten stattdessen einfach den Moment als solchen betrachten und die Freiheiten und die Glücksmomente zugestehen und ermöglichen, die eben auch im schwerstgradigen Alzheimer-Verlauf noch für den Menschen gegeben sind. Würde bewahren bedeutet nicht, die Vergangenheit aufzuwärmen, sondern die Gegenwart zu akzeptieren und so zu gestalten, dass sie für den Menschen mit Demenz eine schöne Gegenwart ist.

Das ist unser Ansatz im Umgang mit Menschen mit Demenz und in unseren Fortbildungen für Pflegekräfte und Angehörige – "Würde im Augenblick" bedeutet eben nicht, in der Vergangenheit zu kramen und sich davon beeinflussen zu lassen, was damals war, sondern das Hier und Jetzt zu gestalten, soweit es geht. 

Tweet on TwitterShare on Linked In

Wie kann die Pflege nach dem schwerem Krisenjahr mit Gesundheitsförderung besser unterstützt werden? coachforcare auf der virtuellen Altenpflege 2021

16/07/2021 08:27:17.




Lange ist es her, dass wir auf einer echten Messe waren. Auch die Fachmesse Altenpflege, organisiert vom Vincentz Netzwerk zusammen mit der Deutschen Messe, fand in der vergangenen Woche komplett virtuell statt. Keine Anreise, kein stressiger Aufbau – dafür Messestände im digitalen Raum und das Tüfteln an Bildformaten, Verlinkungen und Videoauflösungen. Alles wurde erledigt und alles war vorbereitet.
 

Was löst aber tatsächlich den meisten Stress in der Pflege aus? Welche stressauslösende Faktoren lassen sich, möglicherweise durch die Coronakrise ausgelöst, erkennen?
Als es dann am Dienstagmorgen tatsächlich losging, waren wir auch ziemlich gespannt, wie sich diese Veranstaltung anfühlen würde. Sollte tatsächlich ein Zusammenkommen mit Kunden und Partnern funktionieren, uns sogar Unerwartetes widerfahren? Die Antwort, ganz uneindeutig: Ja, und Nein. Wie alles, hat auch das virtuelle Format seine Vor- und Nachteile.
 

Das komplett Spontane einer Messe vor Ort war kaum abzubilden, auch wenn die virtuellen Stände es so wirken lassen sollten. Allerdings konnten wir interessante Gespräche und auch Diskussionen in den Zoom Meetings der unterschiedlichen Hallen verfolgen und mitgestalten. Der Austausch von Personendaten war durch den digitalen Austausch von Visitenkarten stark vereinfacht. Für Überraschungen konnte bei uns aber die Möglichkeit zur Terminbuchung sorgen. Dort ergaben sich tatsächlich relativ spontane Gespräche mit interessierten und motivierten Partnern.

Innovationen gewinnbringend in die Praxis bringen
Das inhaltliche Kongressprogramm war thematisch bestimmt von Innovationen, sei es auf technischer oder auf gesetzlicher Ebene. Besonders gefreut hat es uns, dass das Thema betriebliche Gesundheitsförderung eine größere Bühne bekommen konnte. An allen drei Messetagen waren Vorträge im Programm, die die Förderung von Mitarbeitergesundheit in den Fokus rückten. Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung wurden dabei nicht nur für die Mitarbeitermotivation und -gewinnung beschrieben, sondern wurden als Treiber für die zentralen Themen Zufriedenheit und Gesundheit für Pflegeeinrichtungen identifiziert und für das Funktionieren von Teams und Prozessen in der Pflege als zentral verstanden.
 
Am Mittwochmittag durften wir dann auch selber das Programm mit gestalten. Im Forum Beruf & Bildung sprach unsere leitende Psychologin Saskia Blömeke darüber, warum es für Leitungspersonal in der Pflege von so enormer Bedeutung ist, sich um die eigene Selbstfürsorge zu kümmern. Mit mehr als 30 Zuhörern war der virtuelle Vortrag tatsächlich sehr gut besucht und die Rückmeldungen und Fragen im Anschluss konnten uns bestätigen, dass das Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Da wir mehrfach Anfragen nach den Vortragsfolien erhalten haben, werden wir diese demnächst in einer auch für Nicht-Besucher verständlichen Fassung, zum Download auf unseren Seiten bereitstellen. Bis dahin stehen die Folien zu unserem Krisen-Webinar aus dem Herbst weiterhin kostenfrei zur Verfügung und können HIER heruntergeladen werden.


In der Zukunft digitale Tools für die Pflege besser nutzen – wie kann das gelingen?
Das Thema Digitalisierung wurde im Rahmen der Messe abermals als Hoffnungsträger für die Zukunft hochgehalten. Doch der Weg zu einem wirklich sinnhaften Einsatz digitaler Tools ist noch lang und nicht jede Innovation wird tatsächlich einen echten Mehrwert mit sich bringen. Wichtig wird es sein, bereits bei den ersten Schritten die Beteiligten aus der Praxis an den Entwicklungen zu beteiligen und ganz genau hinzuschauen und zuzuhören, an welchen Stellen Digitalisierung in welcher Form gelingen kann. Wir werden unseren Einblick in die Pflege nutzen, um diese Zukunft mitzugestalten und Innovationen sowie ihren Einsatz bestmöglich zu unterstützen. Und zwar so, dass die Zukunft auch ankommt und angenommen wird und nicht allein um der Digitalisierung willen.

 


Tweet on TwitterShare on Linked In

[1]