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Der coachforcare Blog

Einblicke in unsere Arbeit, Hilfreiches und Wissenswertes für den Alltag in der Pflege

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Umgang mit Konfliktsituationen im Pflegealltag

18/05/2021 13:52:08.




 

Die Arbeit mit Menschen ist immer etwas Besonderes. An vielen Tagen ist sie besonders schön und wertvoll, weil man Menschen unterstützen kann, die Kommunikation so interessant und bereichernd ist, und weil das Gegenüber seine oder ihre Dankbarkeit für die Zusammenarbeit oder Hilfe ausdrückt. An anderen Tagen kann der enge berufliche Kontakt aber auch herausfordernd sein und einen an die persönlichen Grenzen bringen. Das kennen wir PsychologInnen und das kennen auch Pflegekräfte besonders gut. Unser Psychologin Larissa berichtet von ihren Erfahrungen aus ihren Fortbildungen zum Thema Umgang mit Patienten und Angehörigen.

„Wenn ich eine Fortbildung zum Thema Konflikte mit BewohnerInnen und Angehörigen beginne, frage ich als erstes, ob die Teilnehmenden bereits direkte Erfahrungen mit Situationen gemacht haben, in denen sie Angehörige und/oder BewohnerInnen vorwurfsvoll, fordernd oder aggressiv erlebt haben. Der Anteil derjenigen, die solche Konfliktsituationen schon mal erlebt haben, ist meist sehr hoch. Zwar gehören diese Situationen nicht unbedingt zum Alltag in Pflegeberufen - trotzdem kommt es in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu Konflikten.

Inhaltlich wird es in der Fortbildung dann sehr schnell konkret. Die Teilnehmenden berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit solchen konfliktreichen Situationen in unterschiedlichen Umfängen. Um den Umgang mit diesen  Situationen zu üben, ist es wichtig, möglichst genau zu rekonstruieren, wie die Situationen stattgefunden haben. Aufbauend darauf werden die Konflikte nachgespielt und reflektiert. Oftmals fällt es schwer, sich beispielsweise in die Rolle eines aufbrausenden Angehörigen zu begeben und die eigenen KollegInnen mit Forderungen und Vorwürfen zu konfrontieren. Das Rollenspiel ist aber eine entscheidende Übung, um sich auf die in der Realität auftretenden Emotionen vorzubereiten. Häufig zeigt sich, dass die erfahrenen Pflegekräfte schon Strategien und Techniken zur Abgrenzung entwickelt haben. Der Austausch über Erfahrungen und Verhaltensweisen hilft oft den jüngeren KollegInnen und stärkt das „Wir-Gefühl“ innerhalb der Teams. 

Bevor Kommunikationsstrategien oder eine professionelle Abgrenzung angewendet werden können, ist es wichtig, zu verstehen, was Menschen dazu bewegt, sich aggressiv und distanzlos gegenüber Pflegekräften zu verhalten. Bei einem Erklärungsansatz geht es um Rollen, die jeder Mensch in seinem sozialen Netzwerk einnimmt und die sich durch den Umzug in eine Pflegeeinrichtung verschieben können. Wie verändern wir uns, wenn auf diese Weise die eigene Selbstbestimmtheit und Privatsphäre eingeschränkt werden? Welche Gedanken und Gefühle erleben die BewohnerInnen und inwieweit kann aggressives Verhalten ein Ausdruck von Überforderung und Hilflosigkeit sein? Die meisten Pflegekräfte sind sich der herausfordernden Situation, die diese Veränderung mit sich bringt, bewusst. „Wir greifen jeden Tag in die Intimsphäre der BewohnerInnen ein. Es ist klar, dass das auch zur Überforderung führen kann.“, beschreibt eine Teilnehmerin die täglichen Arbeitsroutinen bei der Körperpflege. 

Doch auch für Angehörige bringen die Veränderungen viele Herausforderungen und psychische Belastungen mit sich. Den eigenen Partner nicht mehr versorgen zu können oder plötzlich für die Eltern entscheiden zu müssen und verantwortlich zu sein, erfordert eine Menge psychischer Transferleistungen und wird von vielen belastenden Emotionen begleitet. Ängste, Unsicherheiten und Gefühle der Hilflosigkeit können sich dann beispielsweise in Vorwürfen äußern. Für Pflegekräfte kann es hilfreich sein, eine Balance aus Empathie und klaren Grenzen zu finden. Das Auffangen von solchen starken Emotionen ist eine große zusätzliche Belastung im ohnehin herausfordernden Pflegealltag. Ich bewundere, wie professionell viele der Teilnehmenden mit solchen Situationen umgehen. Zusätzlich stellt sich in den Fortbildungen immer wieder der kollegiale Austausch als sehr wertvoll heraus.

Für mich sind diese Konfliktsituationen ein Bereich, der in den Diskussionen über Belastungen im Pflegealltag zu kurz kommt. Es sind Situationen, in denen Pflegekräfte zusätzlich ein sehr hohes Maß an psychosozialen Aufgaben übernehmen müssen.“


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Was stresst die Pflege?

27/04/2021 14:55:28.




Auswertung einer Umfrage in stationären Pflegeeinrichtungen zum Stress in der Pflege während der Corona-Pandemie

MitarbeiterInnen in der Pflege sind im Berufsalltag mit zahlreichen Stressauslösern konfrontiert und Stress in der Pflege ist keine Seltenheit. Vor allem die Arbeits- und Rahmenbedingungen in der Pflege werden als gravierende Stressoren angesehen. Die gegenwärtige Coronakrise und die damit verbundene Belastung des Pflegesystems werden als zusätzliche Stressoren diskutiert. Die Folgen von Stress in der Pflege sind sehr vielfältig. Sie reichen von körperlichen Reaktionen (z.B. hoher Blutdruck) bis hin zu psychischen Reaktionen (z.B. Burn-Out/Depression). Langanhaltender Stress kann sich dauerhaft auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. 
Was löst aber tatsächlich den meisten Stress in der Pflege aus? Welche stressauslösende Faktoren lassen sich, möglicherweise durch die Coronakrise ausgelöst, erkennen?

Wir führen regelmäßige Fortbildungen zum Thema "Stress in der Pflege" im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung in der Pflege durch. Das gibt uns die Möglichkeit, direkte Einblicke in die tatsächlichen Stressoren der MitarbeiterInnen vor Ort zu erhalten. Damit können wir zur Beantwortung der Frage, was die Pflege stresst, beitragen. Mittlerweile haben rund 80 in der Pflege tätige Personen unsere Fortbildung zum Thema Stressmanagement besucht und haben in diesem Rahmen ihre größten Stressoren genannt. Diese Datenbasis liefert Erkenntnisse über die Faktoren und Situationen, welche Stress in der Pflege auslösen. In den Fortbildungen unterscheiden wir zwischen fünf Bereichen in denen Stressauslöser auftreten können. Diese werden wir im Einzelnen betrachten:

  1. Arbeitsaufgaben
  2. Arbeitszeit
  3. Rahmenbedingungen (Führung, Organisation)
  4. Soziale Aspekte (Team und Kollegen)
  5. Privatleben (Hobbies, Freizeit, Familie)

Den Bereich Privatleben beziehen wir in den beruflichen Kontext mit ein, da häufig auch privater Stress den Stress in der Pflege, also auf der Arbeit, und die individuelle und allgemeine Belastungssituation beeinflusst.

Infografik Stressbelastung PflegeUnsere Infografik können Sie hier herunterladen


Misslingende Kommunikation und Organisation beschert den meisten Stress in der Pflege – Coronakrise wirkt eher indirekt

Über alle Bereiche hinweg zeigt sich, dass neben der Belastung durch den Lockdown vor allem Probleme in der Kommunikation und in der Organisation von Arbeit auf verschiedenen Ebenen den Großteil der Stressbelastung in der Pflege bestimmen.

Als ein großer Stressor im Bereich Arbeitsaufgaben wird von TeilnehmerInnen eine ständige Unterbrechung der Arbeit und der Arbeitsabläufe genannt. Diese Unterbrechungen werden häufig durch zu viele Nebentätigkeiten oder unerwartete Aufgaben hervorgerufen. Viele der TeilnehmerInnen beschreiben den daraus entstehenden Zeitdruck als enormen Stressfaktor im Pflegeberufsalltag. Weitere Stressoren im Bereich der Arbeitsaufgaben sind der Umgang mit herausfordernden Bewohnern. Auch der Kontakt zu Angehörigen wird von einigen TeilnehmerInnen als Stressor empfunden und führt zu Stress in der Pflege. 
Arbeitsaufgaben

Im Bereich Arbeitszeit wird vor allem ein häufiger Wechsel von Früh- und Spätschichten als Auslöser für Stress in der Pflege genannt. Die dadurch reduzierten Erholungszeiten und der ständige Wechsel des Schlafrhythmus werden als besonders belastend erlebt. Auch das Thema Pausen wurde in diesem Bereich vermehrt genannt – hierbei vor allem der Aspekt, häufig keine Pausen machen zu können oder wenn Pausen gemacht werden, diese oft unterbrechen zu müssen. Das macht es schwierig, sich innerhalb des Arbeitstages in der Pause zu erholen und führt somit ebenfalls zu Stress in der Pflege. 
Arbeitszeit
Im Bereich Rahmenbedingungen mit Fokus auf Führung und Organisation stellen fehlende Transparenz und mangelnde Kommunikation die größten Auslöser fü Stress in der Pflege dar. Dies meint vor allem die mangelnde Kommunikation über organisatorische Dinge, Abläufe oder Veränderungen. Auch die fehlende Transparenz bezüglich Entscheidungen oder Handlungen sowie teilweise unzureichende Wertschätzung, Lob und Feedback der Leitungskräfte den MitarbeiterInnen gegenüber wurde als Stressfaktor genannt.
Führung
Auch im Bereich der sozialen Aspekte mit Fokus auf Team und Kollegen ist das Thema der mangelnden oder gestörten Kommunikation als Auslöser für Stress in der Pflege erkennbar. Vor allem fehlende Kommunikation aber auch nicht wertschätzende und indirekte Kommunikation, die als „Lästern“ und  „hinter dem Rücken reden“ betitelt werden sowie ein respektloser Umgang untereinander und miteinander werden als sehr belastend wahrgenommen. Darüber hinaus wird häufiger Personalwechsel und eine dadurch entstehende Unruhe im Team mehrfach als Auslöser für Stress in der Pflege genannt.
Team & Kollegen
Beim Privaten (Hobbies, Freizeit, Familie) steht als großer Stressfaktor über alles andere hinweg das Thema Corona und der Lockdown im Fokus. Dies ist wenig verwunderlich, bemerkenswert ist allerdings, dass die Pandemie vor allem im privaten Bereich einen zusätzlichen Faktor für Stress in der Pflege darstellt und nicht unbedingt direkt auf den beruflichen Bereich bezogen wird. Die TeilnehmerInnen nennen jedoch vor allem den fehlenden Ausgleich zur Arbeit als Auslöser für Stress in der Pflege. Freizeitgestaltung wie früher sei nicht mehr möglich, viele Unternehmungen und Sport fielen weg und dadurch werde der Zugang zu vielen Ressourcen erschwert. Dabei stellen Ressourcen eine so wichtige Komponente im Umgang mit Stress in der Pflege dar. 
Privates



Ressourcen - der wichtige Gegenspieler von Stress in der Pflege

Stellt man sich eine Waage vor, so würden Ressourcen das Gegengewicht zu Stressoren darstellen. Mit der Stärkung eigener Ressourcen können die negativen Effekte von Stress in der Pflege abgemildert werden. Außerdem helfen sie, gesetzte Ziele zu erreichen oder die persönliche Entwicklung zu unterstützen. Man unterscheidet zwischen vier Typen von Ressourcen (Frederickson, 2009): 

  1. Physische Ressourcen (z.B. körperliche Fitness)
  2. Intellektuelle Ressourcen (Sinn einer Tätigkeit)
  3. Soziale Ressourcen (Unterstützung des Umfeldes) 
  4. Psychische Ressourcen (Widerstandsfähigkeit, Vertrauen in sich selbst) 

Es ist wichtig, sich seiner eigenen Ressourcen bewusst zu werden und diese gezielt und regelmäßig zum Stressmanagement in der Pflege einzusetzen. Beispielsweise Zeit mit Freunden oder Familie, das Ausüben von Hobbies oder angenehme Aktivitäten können helfen, stressige Situationen zu meistern und daran zu wachsen. 


Mitarbeitergesundheit rechtzeitig durch Ressourcenstärkung schützen

Unsere Erfahrungen mit den TeilnehmerInnen der Fortbildungen zum Thema Stress in der Pflege zeigen, dass genau diese ausgleichenden Ressourcen unter der Corona-Pandemie zu kurz kommen oder sogar komplett wegfallen. Um noch ein mal auf das Bild der Waage zurückzukommen: Die (Ausgangs-)Beschränkungen im Zuge der Pandemie bewirken, dass die Waagschale mit den Ressourcen nicht ausreichend aufgefüllt werden kann. Da der Stress durch die Arbeitsbedingungen in der Pflege aber mindestens gleich geblieben ist, kann der Ausgleich der beiden Waagschalen nicht stattfinden und der belastende Stress in der Pflege nicht ausreichend durch Ressourcen ausgeglichen werden. Dies kann langfristig zu schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit der MitarbeiterInnen, das System Pflege und damit das gesamte Gesundheitssystem führen.


 
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Emotionale Aufarbeitung des Corona-Jahres und großes Engagement beim Auftakt in Berlin

06/04/2021 16:02:12.




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coachforcare ist mit psychischer betrieblicher Gesundheitsförderung für die Pflege nun auch in Berlin angekommen. Nachdem unsere Erfahrungen in Hamburg zeigen konnten, dass unser Angebot Anklang findet, wurde im überregionalen Austausch schnell klar, dass unsere Leistungen für Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland relevant sind. Nach einer aufgrund von Corona längeren Anlaufphase konnte das erste Projekt am neuen Standort starten. Der Bericht von unserem Standortleiter Tim Hamer zeigt, wie der Projektstart in der Hauptstadt verlief und dass sich Hamburg und Berlin in vielen Punkten wenig unterscheiden, was die Sorgen der Pflege angeht…
 

Der Beginn meiner ersten Veranstaltung steht – wie soll es in der aktuellen Situation anders sein –voll unter dem Einfluss von Corona. Eine halbe Stunde vor dem Start bin ich vor Ort und lasse mich im Foyer der Einrichtung (schnell-)testen. Ich finde es zunächst befremdlich, den Helfern in Bundeswehruniform hier zu begegnen, doch schnell kommen wir ins Gespräch. Dabei stelle ich fest, wie zufrieden die Einrichtung über die zusätzliche Unterstützung ist und wie sinnvoll meine Gegenüber ihre Arbeit empfinden. 

Nach einigen bangen Minuten steht mein negatives Ergebnis fest und ich werde von meinem Ansprechpartner in unseren kleinen Meetingraum für den Nachmittag geführt. Normalerweise findet hier der Austausch der Leitungsebene über die alltäglichen Themen statt. Die Runde heute sieht nur unwesentlich anders aus als sonst. Ich spreche mit der Heimleitung, ihrem Vertreter, zwei Pflegedienstleitungen und der Beauftragten für das Qualitätsmanagement. Gemeinsam legen wir den Schwerpunkt heute allerdings nicht auf das Tagesgeschäft. Wir erweitern die Perspektive und erörtern auf einer allgemeineren Ebene, welche Rahmenbedingungen, sozialen, aber auch organisationalen Aspekte die Mitarbeiter vor Ort als psychische Belastung wahrnehmen. Auch das, was bereits positiv zu bewerten ist, kommt dabei zur Sprache.

Im Gesprächsverlauf fällt mir auf, wie breit gefächert die Themen sind, welche an der Substanz der Mitarbeiter aber auch der Leitungsebene zehren. Die aktuelle Pandemie hat dabei noch einmal als Brandbeschleuniger gewirkt, durch den die ohnehin vorhandenen schwelenden Flammen nur noch sichtbarer wurden. Da ist zum einen die latente Demotivation der KollegInnen im Heim, die durch die Erfahrungen des letzten Jahres immer weiter verstärkt wurde. Die Pflegekräfte führen einen generell stressigen Arbeitsalltag, sind ständig mit Krankheit und Tod konfrontiert, und dann kommen auch noch traumatische Erfahrungen aufgrund von Corona-Ausbrüchen in den Pflegeeinrichtungen dazu! Diese emotionale Überforderung der letzten Monate nagt an der psychischen Widerstandskraft aller Beteiligten.

Zum anderen finden aber auch immer wieder Themen den Weg in die Runde, die Aspekte der  Kommunikationskultur in der Pflegeeinrichtung bemängeln. Ich bin nicht verwundert. Diese Erfahrung haben wir bereits in anderen Projekten gemacht. Immer wieder brechen aufgrund unterschiedlicher Themen Konflikte im Heim aus. Nach meiner Einschätzung nicht ungewöhnlich, sondern deckungsgleich mit vielen anderen Berufen. In der heutigen Runde wird allerdings davon berichtet, dass diese Konflikte häufig nicht auf eine wertschätzende Art und Weise miteinander gelöst werden. Diese und ähnliche Kommunikationskulturen kenne ich bereits aus meinen Erfahrungen in Hamburg, daher kann ich hier erst einmal beruhigen. Es scheint, dass die Pflege aufgrund eines Cocktails aus verschiedenen Faktoren besonders anfällig für Konflikte im Team, Kommunikationsprobleme und stressbedingte Belastungsstörungen ist.

Was mir vor allem klar wird, ist, wie engagiert die Leitungsebene schon seit geraumer Zeit gegen diesen Trend ankämpft, aber sich das Gefühl breit macht, dass die Bemühungen einfach nicht fruchten. Es wurden bereits viele strukturelle Veränderungen durchgeführt, um den KollegInnen mehr Gestaltungsraum in der täglichen Arbeit, finanzielle Anreize und flache Kommunikationshierarchien anzubieten. Mir wird klar: Hier kämpft eine Heimleitung schon längere Zeit darum, dass Ihre MitarbeiterInnen wieder gerne zur Arbeit kommen. Daher ist der dargebotene (Zeit-)Raum heute auch so wichtig, in dem wir gemeinsam erörtern können, welche Aspekte nun genau hervorstechen.

Mir fällt irgendwann auf, dass wir vermutlich noch zwei Stunden länger als geplant sprechen könnten, da der Redebedarf so groß ist. Dabei sticht heraus, dass es trotz der Erfahrungen des letzten Jahres nicht darum geht, die Arbeit oder die KollegInnen zu problematisieren. Es ist vielmehr erstaunlich und erfrischend, dass sich positive und negative Aspekte im Gespräch die Waage halten. Die tägliche Arbeit in der Pflegeeinrichtung wird als sinnvoll und abwechslungsreich beschrieben, die erfüllenden Erfolgserlebnisse hervorgehoben, der schöne Zusammenhalt in einigen Teams diskutiert und überlegt, wie man diesen auf andere Teams ausweiten könnte. 

Nach zwei Stunden intensivem Austausch muss ich mich wieder verabschieden, da der Alltag im Heim meine Gesprächspartner zurückfordert. Ich verlasse das Gebäude mit einer Sammlung von Eindrücken über ein Heim, das sich gerade in den Anfängen der emotionalen Aufarbeitung des letzten (Corona-) Jahres befindet und das gleichzeitig generelle Veränderungen der täglichen Arbeitsweisen vornimmt – eine herausfordernde Ausgangssituation. Ich bin dennoch voller Tatendrang und guten Mutes für die gemeinsame Entwicklung. Denn ich habe mit Menschen gesprochen, die sich voll und ganz ihrer Arbeit verschrieben haben und das Thema psychische Gesundheitsförderung mit großem Engagement angehen. 


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Erholsamer Schlaf trotz Schichtdienst

18/11/2020 13:22:53.




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Tipps für eine gute Schlafhygiene bei Pflegekräften in Schichtarbeit

Rund ein Viertel der Deutschen leiden unter Schlafstörungen. In einer schnelllebigen Zeit mit fließenden Arbeitszeiten, Schichtarbeit und einer ständigen Erreichbarkeit gehören Schlafstörungen somit zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen in Deutschland. Dabei können Schlafstörungen nicht nur die körperliche Gesundheit beeinträchtigen (z.B. Herzkreislaufstörung, Magen-Darm-Erkrankungen), sondern auch zu psychischen Problemen, wie beispielsweise Depressionen, führen. Schlaf und Gesundheit stehen in enger Wechselwirkung miteinander. Laut einer Umfrage leiden besonders Pflegekräfte unter Schlafproblemen. 69 Prozent der Befragten gaben an, sie litten oft oder zumindest manchmal unter starken Schlafproblemen. Einer von sieben Pflegern lässt sich der Umfrage zufolge wegen seiner Schlafprobleme regelmäßig krankschreiben. Die Gründe für die Schlafprobleme können vielfältig sein. Oft liegt es jedoch an der Schichtarbeit.

Der Ablauf der Schlafphasen wiederholt sich bei Menschen mit gutem Schlaf mehrfach pro Nacht. Gerät dieser Ablauf durch ungünstige Arbeitszeiten (z.B. Nacht- oder Frühschicht) durcheinander, kann es zu Schlafproblemen und weiter auch zu den oben genannten physischen und psychischen Folgen kommen. Bei Schichtarbeit gilt zu beachten: Nicht jede Schicht ist für jeden Chronotypen geeignet. Als Chronotypen werden Arten von Menschen bezeichnet, die aufgrund der inneren biologischen Uhr physische Merkmale wie z. B. Hormonspiegel, Körpertemperatur, Schlaf- und Wachphasen oder auch Leistungsvermögen zu unterschiedlichen Tageszeiten in unterschiedlicher Ausprägung besitzen. So sollten Frühaufsteher die Nachtschicht idealerweise vermeiden, Langschläfer hingegen die Frühschicht. Auch hinsichtlich des beliebten Mittagsschlafs nach einer Frühschicht gibt es einige Dinge zu beachten. Ein Mittagsschlaf nach der Frühschicht eignet sich nur für diejenigen, die am Abend keine Probleme haben, einzuschlafen. Alle anderen sollten darauf verzichten, um am Abend möglichst müde zu sein. Wichtig ist beim Mittagsschlaf auch, dass dieser so kurz ist, dass man nicht in den Tiefschlaf fällt (max. 15 Min. ab dem Zeitpunkt des Einschlafens).

10 Tipps für eine gute Schlafhygiene:

  1. In Schichten schlafen: Nach der Nachtarbeit empfiehlt es sich, so schnell wie möglich schlafen zu gehen und den Schlaf ggf. aufzuteilen. Beispiel: 4 Stunden direkt nach der Arbeit und 2-3 Stunden am frühen Abend.
  2. Schlaf-Störer meiden: Störende Außengeräusche lassen sich durch „weißes Rauschen“ („white noise“) überdecken. Dieses besteht aus allen Frequenzen des hörbaren Bereichs in der gleichen Lautstärke (gleiche Amplitude). Das gleichmäßige Rauschen blendet Hintergrundgeräusche wie vorbeifahrende Autos aus und kann so beim Einschlafen helfen. Es wird beispielsweise von Ventilatoren erzeugt und ist auch als App zum Downloaden erhältlich. Außerdem sollte spätestens 4 Stunden vor dem Zubettgehen auf koffeinhaltige Getränke und schwere Mahlzeiten verzichtet werden. Leichte Snacks sind okay.
  3. Auf Alkohol verzichten: Zwar kann Alkohol müde machen und somit beim Einschlafen helfen, aber er wirkt sich negativ auf die Schlafqualität aus. Der Schlaf wirkt somit weniger erholsam.
  4. Auf Schichtwechsel vorbereiten: Die Schlafenszeiten an freien Tagen sollten unbedingt an die nächste Schicht angepasst werden. Zum Beispiel: Nach der Nachtschicht am Donnerstag bis zur nächsten Frühschicht am Montag jeden Tag etwas früher ins Bett gehen.
  5. Aktiv sein: Fällt das Einschlafen nach Schichtende schwer, können körperliche Aktivität, wie zum Beispiel ein Spaziergang oder aktive Entspannungsübungen wie Yoga helfen. Intensiver Sport solltet vermieden werden, da er zusätzlich stimuliert.
  6. Schlafumgebung optimieren: Dazu gehört beispielsweise, sich eine angenehme Schlafumgebung zu schaffen – ein gemütlich eingerichtetes Schlafzimmer, in dem man sich wohl fühlt. Die Raumtemperatur sollte bei 16 bis 18 Grad Celsius liegen – die optimale Temperatur für einen erholsamen Schlaf. Außerdem sollten Licht- und Geräuschquellen ausgeschaltet werden. Wer nach der Nachtschicht tagsüber schläft, kann auch die Türklingel deaktivieren.
  7. Um Rücksichtnahme bitten: Es kann helfen, das private Umfeld bezüglich der Schlafenszeiten zu informieren, so dass Störungen vermieden werden können.
  8. Rituale entwickeln oder sich ein kleines Schlafritual angewöhnen: Zum Beispiel leises Musikhören oder eine Tasse heiße Milch oder Tee mit Honig. Schichtarbeit bringt den Organismus durcheinander. Einschlaf-Rituale helfen dem Körper zu unterscheiden, wann Sie wach sein und wann Sie schlafen wollen.
  9. Wecker verbannen: Wenn beim ständigen Blick auf den Wecker die Sorge wächst, wegen der schwindenden Zeit nicht ausreichend Schlaf zu bekommen, erzeugt das nur Druck. Dieser lässt Sie erst recht nicht einschlafen. Drehen Sie die Anzeige des Weckers zum Beispiel einfach von sich weg.
  10. Auf Rauchen verzichten: Nikotin wirkt stimulierend. Wenn also nicht ganz auf das ungesunde Laster verzichtet werden kann, sollte zumindest in den letzten Stunden vor dem Zubettgehen nicht mehr geraucht werden.

Akerstedt (2003). Shift Work and disturbed sleep/wakefulness. Occup Med (London). 53(2). 89-94;
 

Pilcher, J.J., Lambert, B.J. & Huffcutt, A.I. (2000). Differential effects of permanent and rotating shifts on self-report sleep length: a meta-analytic review. Sleep. 23.155–163


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