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Der coachforcare Blog

Einblicke in unsere Arbeit, Hilfreiches und Wissenswertes für den Alltag in der Pflege

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Deutscher Pflegetag: Digital trotzdem kontrovers

16/11/2020 12:03:55.




 

Der Deutsche Pflegetag ist eines der größten und wichtigsten Events für die Pflegewelt. Dieses Jahr musste er erstmalig digital stattfinden. Unsere Kollegin Karen Wacker hat letzte Woche die Online-Veranstaltungen mitverfolgt, Diskussionen angeregt und aktiv den Austausch gesucht. Viele Fragen wurden aufgeworfen, zum Beispiel, ob Pflegekräfte ihren Beruf bis zum Rentenalter ausführen wollen und werden, wie die Belastungen in der Pflege konkret während der Coronakrise, davor und danach aussehen und wie wir die Pflege jetzt noch mehr unterstützen können.


Können und wollen Pflegekräfte ihren Beruf bis zum Rentenalter ausführen?

Wenn man die Pflegekräfte befragt, ob sie sich vorstellen können, bis zur Rente in ihrem Job zu verbleiben, so sieht man einen interessanten Zusammenhang. Die Einschätzung hierüber hängt mit der Bewertung der eigenen Arbeitsqualität zusammen. Pflegekräfte, die meinen, den eigenen Job nur mit ungenügender Qualität ausüben zu können, gehen meist auch nicht davon aus, dies bis zum Rentenalter weiter zu tun (1).

Wie die Pflegekraft die Qualität ihrer Arbeit einschätzt, hängt also zum einen von äußeren Faktoren (Zeitdruck und Rahmenbedingungen) ab. „Habe ich, was ich für den Job brauche?“, „sind wir genug Leute um das zu stemmen?“, „lassen meine Rahmenbedingungen zu, dass ich den Job so mache, wie er gemacht werden sollte?“. Die Bewertung der eigenen Arbeitsqualität ist überdies eine subjektive Einschätzung von verschiedenen Einflussfaktoren (Bewertung und Qualifikation). „Bin ich dem gewachsen?“, „leiste ich trotz meiner ‚suboptimalen‘ Rahmenbedingungen eine solide Arbeit?“, „werde ich meinen Ansprüchen an mich und meine Arbeit gerecht?“.

Wir können diese beiden Faktoren beeinflussen, indem wir sowohl für eine bessere Wahrnehmung der geleisteten Arbeit sorgen (Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit), als auch im Bereich der Arbeitsorganisation, also im Bereich der externen Faktoren, Hebel in Bewegung setzen. Hierzu ist es allerdings notwendig, diese Dinge in der eigenen Einrichtung wahrzunehmen, zu analysieren und sich dann die Zeit zu nehmen, um diese Dinge zu ändern.

Zeit ist ein rares Gut, in diese zu investieren lohnt sich aber auf lange Sicht!

Die aktuelle Lage und bestehende Belastungen - unsere Einschätzung

Im Rahmen der Coronakrise kommt es in den Pflegeeinrichtungen zu Mehrbelastungen. Ähnlich wie dies unsere Studie aus dem Monat Mai zeigte, wurde auch auf dem Deutschen Pflegetag mit weiteren Untermauerungen (2) aufgezeigt, dass die Belastungen sich für die Mitarbeitenden schwierig gestalten. Natürlich sorgt die Pandemie für ein vermehrtes Gefühl der Unsicherheit. Ein Faktor, der die Pflege aber auch belastet ist das Wohlbefinden der Bewohner während der Pandemie und deren Einschränkungen.

Karen Wacker: „Im Gespräch mit unseren Einrichtungen hören wir immer wieder, dass das übliche Programm für die Bewohner schon seit Monaten nicht mehr regulär stattfinden kann. Die Pflegebedürftigen vereinsamen, demente Bewohner bauen extrem ab und die Mitarbeiter fühlen sich hierbei hilflos.“

Auch die Leitungskräfte stehen unter enormen Druck alle Verordnungen umzusetzen, sich auf dem neuesten Stand zu halten und überdies ein Corona-freies Heim zu gewährleisten. Hier wird vor allem mit Mehrarbeit seitens der Pflegeeinrichtungsleitung reagiert, was dazu führt, dass das Wohlbefinden der Leitungskräfte nachgelassen hat.

Karen Wacker: „Die Einrichtungsleiter stehen quasi unter Beschuss von allen Seiten. Viele sind wirklich erschöpft und versuchen den aktuellen Umständen in allen Punkten gerecht zu werden. Zu den ‚normalen‘ Belastungen, die sich aufgrund der allgemeinen Situation in der Pflege ergeben, kommen nun zum Beispiel noch Diskussionen mit Angehörigen über Besuchszeiten und Sinnhaftigkeit etwaiger Corona-Beschränkungen. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter Sorgen, Strukturen ändern sich ständig und die Geschäftsführung will natürlich trotzdem, dass alles rund läuft.“

Was aber auch zu sehen ist, ist ein hoher Bewältigungsoptimismus bei den Einrichtungen, der aus dem Gefühl resultiert, dass die Pflege an sich Krisen erprobt ist. Corona ist ein weiterer Faktor, der bearbeitet werden muss. Es bleibt keine andere Wahl.

Karen Wacker: „Viele der Pflegeeinrichtungen, mit denen wir arbeiten, haben die erste Welle ganz solide überstanden und schöpfen aus dem Wissen, dass Sie gemeinsam erworben haben, Kraft. Man merkt, dass viele der Einrichtungsleitungen etwas entspannter bei den steigenden Infektionszahlen bleiben. Die Konzepte greifen, die Teams sind erprobt im Umgang mit der Situation. In manchen Teams ist sogar kurzfristig die Stimmung besser geworden, etwaige Streitigkeiten wurden beigelegt und rückten angesichts der Umstände in den Hintergrund.

Was bleibt, sind aber die Bedenken darüber, ob sich die Pflegekräfte nach der Pandemie von ihrem Pflegeberuf abwenden werden. Die politische Debatte um das Thema wurde auf dem Deutschen Pflegetag natürlich nicht ausgelassen. Die ersten Zeichen stehen gut. Warten wir ab, ob sich etwas ändert und vor allem wann und was sich verändern wird.

#raiseyourlamp

 

(1) https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++fecfee2c-a482-11e8-85a5-52540088cada

(2) https://kups.ub.uni-koeln.de/11201/1/Pflegerische%20Versorgung%20in%20Zeiten%20von%20Corona_Ergebnisbericht.pdf

 

 


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Süßes oder Saures? Halloween in Zeiten von Corona

30/10/2020 10:31:52.




Das passende Fest für den richtigen Anlass

Halloween ist der Abend vor Allerheiligen und wird seit Jahrhunderten in Irland, später auch in den USA und Kanada und letztlich seit etwa 30 Jahren von dort „exportiert“ auch in Deutschland gefeiert. Die Idee des Festes ist eine Mischung aus Sommerendfest, Gedenken an die Toten, wie zu Allerheiligen und Allerseelen, Vertreibung von inneren Ängsten und äußeren Bösewichten und überhaupt die Idee, vor dem herannahenden Winter noch einmal eine wirklich wilde Feier zu veranstalten. Auch wenn dieses Fest in der irischen Renaissance den Kelten als Urheber zugeschrieben wird, so wird das doch eher bezweifelt – es ist am ehesten eine Mischung aus gesammelten keltischen Ideen und Abläufen mit christlich-katholischen Terminen und den Hoffnungen und Befürchtungen einer einfachen, ungebildeten Landbevölkerung.

Todesengel vs. Pflegeheld - Was hat Halloween mit der Pflege zu tun?

Zu Halloween wird der Toten gedacht, in einer eher schrillen, skurrilen und oftmals auch schaurigen Variante. Kindern und Erwachsene verkleiden sich dem dem Anlass gerecht – als Tod, als Teufel, aber auch als Hexe und Zauberer oder als Gespenst. Nicht selten finden sich auch Verkleidungen, die einen Schutz vor den Toten und dem Tod oder eine Abwehr des Sterbens demonstrieren sollen.  Die „todbringende Krankenschwester“ ist in den letzten Jahren immer wieder als Halloween-Figur aufgetreten, Kostüme gab es fertig zu kaufen oder sie wurden liebevoll gebastelt. Der Todesengel der Pflege. Damit wurde – bewusst oder unbewusst – eine Bezugnahme hergestellt zu den wenigen Pflegekräften, die ihren Beruf besser nicht ausgeübt hätten, weil sie Patienten schadeten oder diese gar aktiv umbrachten. In den letzten 100 Jahren wurden ungefähr 40 Pflegekräfte beschrieben, die im Berufskontext zu Mördern und Mörderinnen wurden.

Noch viel deutlicher sind aber mit diesen Kostümen jene Menschen verunglimpft worden, die seit 20 oder 30 Jahren in der westlichen Zivilisation, unserem aufgeklärten und ach so fortschrittlichen Teil der Welt, die einzigen gewesen sind, die bei den Todkranken und Sterbenden ausgeharrt haben, diejenigen, die tatsächlich einem fremden Menschen am Ende seines Lebens das letzte Lächeln, den letzten Händedruck und die letzte Streicheleinheit gegeben haben. Die Helden der Pflege.

Süßes oder Saures?

Heute ist wieder Halloween. Mehr als in den letzten Jahren, mehr als wir alle uns erinnern können, wird es ein Fest der Toten, der Sterbenden sein. Weltweit sterben Menschen an vielen Erkrankungen, doch in diesem Jahr werden viele Menschen an einer Infektion mit einem bösartigen Atemwegsvirus sterben. Die einzige Halloween-Verkleidung, die in diesem Jahr angemessen wäre, ist, sich einmal für ein paar Stunden als Pflegekraft anzukleiden – einschließlich des atmungsinaktiven Schutzanzuges, in dem schon nach 20 Minuten der Schweiß vom Rücken in einer langen Bahn bis zum Gesäß rinnt, einschließlich einer FFP-2-Maske, bei der jeder Atemzug schmerzt, weil man die Luft einsaugen muss, wie mit einem Strohhalm, einschließlich des Plexiglasvisiers, dessen Kopfhalterung spätestens nach 30 Minuten wie ein Schraubstock den Kopf zu erdrücken scheint.

Alle Halloween-Feiern sind abgesagt. Es wäre auch zu schaurig, wenn kleine, als Tod verkleidete Kinder an zahlreichen Haustüren klingeln und neben den netten Sprüchlein auch ein Viruslein daließen. Oder die Süßigkeiten auch noch mit Corona verziert überreicht werden. Es wird wohl vor allem Saures geben, dieses Jahr. Das Süße heben wir uns auf für die Tage nach Corona.

Erinnern wir uns an den Ursprung. Halloween wurde gefeiert, um die bösen Geister des Winters zu erschrecken und zu verhindern, dass sie in der dunklen Jahreszeit zu viel Macht bekommen. Und es wurde am Vorabend der Tage gefeiert, an denen wir der Verstorbenen gedenken und uns erinnern. Kaum ein anderes Fest passt besser in diese Zeit als Halloween.

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