Unabdingbar: Als Leitung die psychische Last des Teams kennen

Die 7 wichtigsten Punkte zum Thema Fürsorgepflicht und psychische Belastung in der Pflege

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Seit einigen Jahren zeigt sich, dass psychische Belastungen und die daraus resultierenden Erkrankungen, eine steigende Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen und Frühverrentungen im Bereich Pflege bedingen. Auch die aktuellen Ergebnisse der Umfrage „Pflege in Zeiten von Corona“ zeigen, dass vor allem die psychische Belastung einen zentralen Belastungsfaktor für Pflegekräfte darstellt. Sie sind einer besonderen psychischen Last ausgesetzt. Sie arbeiten oft chronisch unterbesetzt, unter körperlich anstrengenden Bedingungen und bei schlechter Bezahlung. Der Krankenstand ist hoch, vorzeitige Berentung ist häufig. Das ist allgemein bekannt und wenig neu, dennoch gibt es nur wenige Ansätze, die Situation für Pflegekräfte nachhaltig zu verbessern.

Dabei sind gesunde und motivierte Mitarbeiter die Grundlage für erfolgreiche Unternehmen, um langfristig Qualität und effizientes Arbeiten zu gewährleisten. Diese Grundlage scheint jedoch vor allem in Pflegeberufen vernachlässigt zu werden. Dieser Missstand kann in den kommenden Jahren zu weitreichenden Folgen führen. Der demographische Wandel wird besonders in den Pflegedienstleistungen die Nachfrage nach Personal noch erhöhen. Die Verbesserung der Arbeitsschutzbedingungen in der Pflege wird daher immer wichtiger werden. 

Arbeitsbedingungen, die sich an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientieren und eine Leitung, die proaktiv den Arbeitsschutz in die Hand nimmt, zahlen sich langfristig in mehrfacher Hinsicht in Vorteilen aus: 

  1. Die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien zum Arbeitsschutz werden eingehalten
  2. Mitarbeitende werden langfristig geschützt und so längerfristige Krankheitsphasen vermieden
  3. Die Fluktuation von Fachkräften wird verringert
  4. Arbeitsatmosphäre und Leistungsfähigkeit werden verbessert

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber ausdrücklich dazu, auch psychische Belastungen der Arbeit bei einer sogenannten Gefährdungsanalyse zu berücksichtigen. Die Gefährdungsbeurteilung der spezifischen psychischen Belastungen der Arbeitnehmer bei der Arbeit kann als eine der wichtigsten gesetzlichen Pflichten des Arbeitgebers beschrieben werden.

Führungskräfte haben somit im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht eine besondere Verantwortung dafür zu erkennen, ob eine psychische Belastung am Arbeitsplatz vorliegt. Ist dies der Fall, sollten sie proaktiv reagieren und sich um geeignete Schutzmaßnahmen kümmern. Kommt der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nicht nach, drohen weitreichende Konsequenzen. Eine Nichteinhaltung der Vorgaben für den Arbeitsschutz stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. So ist der Arbeitgeber laut BGB zu Schadensersatz verpflichtet, wenn Personen aufgrund einer unzureichenden Gefährdungsbeurteilung verletzt werden. Dies gilt auch für psychische Erkrankungen, die auf innerbetriebliche Belastung zurückzuführen sind.

Psychische Belastung in der Pflege zielgerichtet erfassen

Wie eine Gefährdungsanalyse in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigt auch unsere Studie Psychische Belastung in der Pflege“. Die darin eingesetzte Gefährdungsanalyse erfasst die vier Bereiche Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation, Rahmenbedingungen und Soziale Aspekte. Eine erste Auswertung zeigt deutliche Unterschiede der psychischen Belastung von Pflegekräften in verschiedenen beruflichen Settings der Pflegewelt – Krankenhaus, Palliativpflege, Altenpflege und ambulante Pflege. Denn: Pflege ist nicht gleich Pflege!

Vor dem Hintergrund der besonderen psychischen Belastung von Pflegekräften und des fortschreitenden Fachkräftemangels, der sich vor allem in den Pflegeberufen zunehmend abzeichnet, ist die Erkennung und Minimierung von Belastungen am Arbeitsplatz entscheidend, um die Angestellten effektiv zu schützen.

Für Arbeitgeber und Leitungskräfte ergeben sich die folgenden sieben Punkte:

Psychische Belastung ist in der Pflege deutlich höher zu bewerten als körperliche Belastung und führt zu längeren AU-Zeiten

Psychische Erkrankungen zu verhindern ist leichter als psychische Erkrankungen zu heilen. Daher sollte Prävention möglichst frühzeitig beginnen und über längere Zeiträume andauern

Betriebliches Gesundheitsmanagement erfordert Zeit. Es gibt in der Regel keine schnellen Erfolge

Wer die psychische Last seiner Angestellten verringern will, muss diese Last überhaupt erst kennen. Dazu sind umfangreiche Analysen nötig, die von betriebsfremden Personen durchgeführt werden sollten



Psychische Gefährdungsanalysen sind die Grundlage für die Entwicklung passgenauer Maßnahmen zur Prävention und Reduktion von psychischer Belastung

Die Maßnahmen sollten aus mehreren Bausteinen bestehen, die für jedes Team individuell zusammengesetzt werden.

Prävention kann und sollte auf mehreren Ebenen stattfinden: Einzelpersonen, Teams und Führungskräfte. Direkte Selbsthilfemaßnahmen für Betroffene sollten mit betrieblichen Maßnahmen ergänzt werden

Arbeitsschutz heute versteht sich nicht nur als Vermeidung von physischen Gefahren und Belastungen, sondern hat das Ziel, die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen.
Präventive Maßnahmen des Arbeitgebers, die frühzeitig den psychischen Belastungen der Mitarbeiter entgegenwirken, sind somit nicht nur gesetzlich zwingend erforderlich, sondern sind auch mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer, ihren Krankenstand und die Fluktuation von Fachkräften überaus sinnvoll.