Der coachforcare Blog

Einblicke in unsere Arbeit, Hilfreiches und Wissenswertes für den Alltag in der Pflege

Block Panel here

Deutscher Pflegetag: Digital trotzdem kontrovers

16/11/2020 12:03:55.




 

Der Deutsche Pflegetag ist eines der größten und wichtigsten Events für die Pflegewelt. Dieses Jahr musste er erstmalig digital stattfinden. Unsere Kollegin Karen Wacker hat letzte Woche die Online-Veranstaltungen mitverfolgt, Diskussionen angeregt und aktiv den Austausch gesucht. Viele Fragen wurden aufgeworfen, zum Beispiel, ob Pflegekräfte ihren Beruf bis zum Rentenalter ausführen wollen und werden, wie die Belastungen in der Pflege konkret während der Coronakrise, davor und danach aussehen und wie wir die Pflege jetzt noch mehr unterstützen können.


Können und wollen Pflegekräfte ihren Beruf bis zum Rentenalter ausführen?

Wenn man die Pflegekräfte befragt, ob sie sich vorstellen können, bis zur Rente in ihrem Job zu verbleiben, so sieht man einen interessanten Zusammenhang. Die Einschätzung hierüber hängt mit der Bewertung der eigenen Arbeitsqualität zusammen. Pflegekräfte, die meinen, den eigenen Job nur mit ungenügender Qualität ausüben zu können, gehen meist auch nicht davon aus, dies bis zum Rentenalter weiter zu tun (1).

Wie die Pflegekraft die Qualität ihrer Arbeit einschätzt, hängt also zum einen von äußeren Faktoren (Zeitdruck und Rahmenbedingungen) ab. „Habe ich, was ich für den Job brauche?“, „sind wir genug Leute um das zu stemmen?“, „lassen meine Rahmenbedingungen zu, dass ich den Job so mache, wie er gemacht werden sollte?“. Die Bewertung der eigenen Arbeitsqualität ist überdies eine subjektive Einschätzung von verschiedenen Einflussfaktoren (Bewertung und Qualifikation). „Bin ich dem gewachsen?“, „leiste ich trotz meiner ‚suboptimalen‘ Rahmenbedingungen eine solide Arbeit?“, „werde ich meinen Ansprüchen an mich und meine Arbeit gerecht?“.

Wir können diese beiden Faktoren beeinflussen, indem wir sowohl für eine bessere Wahrnehmung der geleisteten Arbeit sorgen (Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit), als auch im Bereich der Arbeitsorganisation, also im Bereich der externen Faktoren, Hebel in Bewegung setzen. Hierzu ist es allerdings notwendig, diese Dinge in der eigenen Einrichtung wahrzunehmen, zu analysieren und sich dann die Zeit zu nehmen, um diese Dinge zu ändern.

Zeit ist ein rares Gut, in diese zu investieren lohnt sich aber auf lange Sicht!

Die aktuelle Lage und bestehende Belastungen - unsere Einschätzung

Im Rahmen der Coronakrise kommt es in den Pflegeeinrichtungen zu Mehrbelastungen. Ähnlich wie dies unsere Studie aus dem Monat Mai zeigte, wurde auch auf dem Deutschen Pflegetag mit weiteren Untermauerungen (2) aufgezeigt, dass die Belastungen sich für die Mitarbeitenden schwierig gestalten. Natürlich sorgt die Pandemie für ein vermehrtes Gefühl der Unsicherheit. Ein Faktor, der die Pflege aber auch belastet ist das Wohlbefinden der Bewohner während der Pandemie und deren Einschränkungen.

Karen Wacker: „Im Gespräch mit unseren Einrichtungen hören wir immer wieder, dass das übliche Programm für die Bewohner schon seit Monaten nicht mehr regulär stattfinden kann. Die Pflegebedürftigen vereinsamen, demente Bewohner bauen extrem ab und die Mitarbeiter fühlen sich hierbei hilflos.“

Auch die Leitungskräfte stehen unter enormen Druck alle Verordnungen umzusetzen, sich auf dem neuesten Stand zu halten und überdies ein Corona-freies Heim zu gewährleisten. Hier wird vor allem mit Mehrarbeit seitens der Pflegeeinrichtungsleitung reagiert, was dazu führt, dass das Wohlbefinden der Leitungskräfte nachgelassen hat.

Karen Wacker: „Die Einrichtungsleiter stehen quasi unter Beschuss von allen Seiten. Viele sind wirklich erschöpft und versuchen den aktuellen Umständen in allen Punkten gerecht zu werden. Zu den ‚normalen‘ Belastungen, die sich aufgrund der allgemeinen Situation in der Pflege ergeben, kommen nun zum Beispiel noch Diskussionen mit Angehörigen über Besuchszeiten und Sinnhaftigkeit etwaiger Corona-Beschränkungen. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter Sorgen, Strukturen ändern sich ständig und die Geschäftsführung will natürlich trotzdem, dass alles rund läuft.“

Was aber auch zu sehen ist, ist ein hoher Bewältigungsoptimismus bei den Einrichtungen, der aus dem Gefühl resultiert, dass die Pflege an sich Krisen erprobt ist. Corona ist ein weiterer Faktor, der bearbeitet werden muss. Es bleibt keine andere Wahl.

Karen Wacker: „Viele der Pflegeeinrichtungen, mit denen wir arbeiten, haben die erste Welle ganz solide überstanden und schöpfen aus dem Wissen, dass Sie gemeinsam erworben haben, Kraft. Man merkt, dass viele der Einrichtungsleitungen etwas entspannter bei den steigenden Infektionszahlen bleiben. Die Konzepte greifen, die Teams sind erprobt im Umgang mit der Situation. In manchen Teams ist sogar kurzfristig die Stimmung besser geworden, etwaige Streitigkeiten wurden beigelegt und rückten angesichts der Umstände in den Hintergrund.

Was bleibt, sind aber die Bedenken darüber, ob sich die Pflegekräfte nach der Pandemie von ihrem Pflegeberuf abwenden werden. Die politische Debatte um das Thema wurde auf dem Deutschen Pflegetag natürlich nicht ausgelassen. Die ersten Zeichen stehen gut. Warten wir ab, ob sich etwas ändert und vor allem wann und was sich verändern wird.

#raiseyourlamp

 

(1) https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++fecfee2c-a482-11e8-85a5-52540088cada

(2) https://kups.ub.uni-koeln.de/11201/1/Pflegerische%20Versorgung%20in%20Zeiten%20von%20Corona_Ergebnisbericht.pdf

 

 


Tweet on TwitterShare on Linked In

Süßes oder Saures? Halloween in Zeiten von Corona

30/10/2020 10:31:52.




Das passende Fest für den richtigen Anlass

Halloween ist der Abend vor Allerheiligen und wird seit Jahrhunderten in Irland, später auch in den USA und Kanada und letztlich seit etwa 30 Jahren von dort „exportiert“ auch in Deutschland gefeiert. Die Idee des Festes ist eine Mischung aus Sommerendfest, Gedenken an die Toten, wie zu Allerheiligen und Allerseelen, Vertreibung von inneren Ängsten und äußeren Bösewichten und überhaupt die Idee, vor dem herannahenden Winter noch einmal eine wirklich wilde Feier zu veranstalten. Auch wenn dieses Fest in der irischen Renaissance den Kelten als Urheber zugeschrieben wird, so wird das doch eher bezweifelt – es ist am ehesten eine Mischung aus gesammelten keltischen Ideen und Abläufen mit christlich-katholischen Terminen und den Hoffnungen und Befürchtungen einer einfachen, ungebildeten Landbevölkerung.

Todesengel vs. Pflegeheld - Was hat Halloween mit der Pflege zu tun?

Zu Halloween wird der Toten gedacht, in einer eher schrillen, skurrilen und oftmals auch schaurigen Variante. Kindern und Erwachsene verkleiden sich dem dem Anlass gerecht – als Tod, als Teufel, aber auch als Hexe und Zauberer oder als Gespenst. Nicht selten finden sich auch Verkleidungen, die einen Schutz vor den Toten und dem Tod oder eine Abwehr des Sterbens demonstrieren sollen.  Die „todbringende Krankenschwester“ ist in den letzten Jahren immer wieder als Halloween-Figur aufgetreten, Kostüme gab es fertig zu kaufen oder sie wurden liebevoll gebastelt. Der Todesengel der Pflege. Damit wurde – bewusst oder unbewusst – eine Bezugnahme hergestellt zu den wenigen Pflegekräften, die ihren Beruf besser nicht ausgeübt hätten, weil sie Patienten schadeten oder diese gar aktiv umbrachten. In den letzten 100 Jahren wurden ungefähr 40 Pflegekräfte beschrieben, die im Berufskontext zu Mördern und Mörderinnen wurden.

Noch viel deutlicher sind aber mit diesen Kostümen jene Menschen verunglimpft worden, die seit 20 oder 30 Jahren in der westlichen Zivilisation, unserem aufgeklärten und ach so fortschrittlichen Teil der Welt, die einzigen gewesen sind, die bei den Todkranken und Sterbenden ausgeharrt haben, diejenigen, die tatsächlich einem fremden Menschen am Ende seines Lebens das letzte Lächeln, den letzten Händedruck und die letzte Streicheleinheit gegeben haben. Die Helden der Pflege.

Süßes oder Saures?

Heute ist wieder Halloween. Mehr als in den letzten Jahren, mehr als wir alle uns erinnern können, wird es ein Fest der Toten, der Sterbenden sein. Weltweit sterben Menschen an vielen Erkrankungen, doch in diesem Jahr werden viele Menschen an einer Infektion mit einem bösartigen Atemwegsvirus sterben. Die einzige Halloween-Verkleidung, die in diesem Jahr angemessen wäre, ist, sich einmal für ein paar Stunden als Pflegekraft anzukleiden – einschließlich des atmungsinaktiven Schutzanzuges, in dem schon nach 20 Minuten der Schweiß vom Rücken in einer langen Bahn bis zum Gesäß rinnt, einschließlich einer FFP-2-Maske, bei der jeder Atemzug schmerzt, weil man die Luft einsaugen muss, wie mit einem Strohhalm, einschließlich des Plexiglasvisiers, dessen Kopfhalterung spätestens nach 30 Minuten wie ein Schraubstock den Kopf zu erdrücken scheint.

Alle Halloween-Feiern sind abgesagt. Es wäre auch zu schaurig, wenn kleine, als Tod verkleidete Kinder an zahlreichen Haustüren klingeln und neben den netten Sprüchlein auch ein Viruslein daließen. Oder die Süßigkeiten auch noch mit Corona verziert überreicht werden. Es wird wohl vor allem Saures geben, dieses Jahr. Das Süße heben wir uns auf für die Tage nach Corona.

Erinnern wir uns an den Ursprung. Halloween wurde gefeiert, um die bösen Geister des Winters zu erschrecken und zu verhindern, dass sie in der dunklen Jahreszeit zu viel Macht bekommen. Und es wurde am Vorabend der Tage gefeiert, an denen wir der Verstorbenen gedenken und uns erinnern. Kaum ein anderes Fest passt besser in diese Zeit als Halloween.

­
Tweet on TwitterShare on Linked In

Herbstmüdigkeit

22/10/2020 08:26:41.




­

Licht ins Dunkel bringen - 6 Tipps gegen Herbstmüdigkeit

Draußen wird es ungemütlicher, die Tage werden kürzer und die Menschen wiegen sich in Melancholie – der Herbst ist da. Viele werden in der ankommenden dunklen Jahreszeit begleitet durch schlechtere Laune und einen veränderten Antrieb. Dies hängt unter anderem mit der veränderten Lichteinwirkung zusammen. Man geht morgens im Dunklen zur Arbeit und kommt im Dunkeln wieder nach Hause. Dabei bekommen wir zu wenig Tageslicht ab. Vor allem in Berufsfeldern, wie zum Beispiel in der Pflege und in Krankenhäusern, dessen Arbeitszyklen in Schichten eingeteilt werden, kommen Arbeitnehmer zu selten ans Tageslicht. Wir erklären euch welche Auswirkungen die veränderte Jahreszeit auf unseren Gemütszustand hat und geben Tipps wie man „Licht ins Dunkel“ bringen kann.

Welche Mechanismen stecken hinter Herbstmüdigkeit und Winterdepression?

Die Lichtrezeptoren im menschlichen Auge bekommen im Herbst und im Winter weniger Licht ab – teilweise nur die Hälfte von dem, was an klaren Sommertagen ankommt. Durch die geringere Lichteinstrahlung nimmt die Konzentration ab und die Müdigkeit zu. Menschen kommen in den Wintermonaten in einen „Energiesparmodus“, d.h. die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Das hängt mit der verminderten Aktivität der Fotorezeptoren in den Nervenzellen der Netzhaut zusammen, die durch Licht stimuliert werden. Diese Rezeptoren senden Signale an einen Bereich im Gehirn, der als „innere Uhr“ bezeichnet werden kann, die den Tag/Nacht-Körperrhythmus bestimmen. Wenn die „innere Uhr“ über längere Zeit im Herbst und Winter mit weniger Lichtsignalen stimuliert wird, stellt sich der Körper auf Winter ein und die Leistung nimmt ab, sowie die Müdigkeit zu (1). Sobald gewisse diagnostische Kriterien erfüllt sind, wie zum Beispiel ein zeitlicher Zusammenhang mit einer bestimmten Jahreszeit, die Symptome zu einer anderen Jahreszeit verschwinden und depressive Episoden in den letzten zwei Jahren auftraten, die einen saisonalen Bezug hatten (3) und  Leidensdruck entsteht wird der veränderte Affekt pathologisch. Unter diesen Umständen ist im Fachjargon die Rede von einer saisonalen abhängigen affektiven Störung (SAD), auch bekannt unter dem Begriff „Winterdepression“ (2, 3). Sind die Symptome der saisonalen affektiven Störung nur unterschwellig und besteht kein Leidensdruck bei den Betroffenen, ist die Rede von einer subsyndromalen saisonalen affektiven Störung (S-SAD) (4). Die S-SAD stellt kein klinisches Störungsbild dar und ist auch bekannt unter dem Begriff „Herbstmüdigkeit“ bekannt. Um der „Herbstmüdigkeit“ zu entkommen werden Interventionen diskutiert, wie z.B. das Aufhellen von Innenräumen durch Licht mit hohem Blauanteil, da Lichtrezeptoren vor allem auf die Wellenlängen des blauen Lichts reagieren. In den Abendstunden ist Licht mit weniger Blauanteil ratsam – es signalisiert, dass Abend ist und somit macht es müde.

Um herauszufinden, wie sich die Herbstmüdigkeit bei Personen, die in der Pflege und damit in Schichten arbeiten auswirkt, haben wir zwei Kinderkrankenschwestern interviewt.

Spüren Sie einen Unterschied/Einfluss des Herbstes und Winters auf die Stimmung, Aktivität etc.?

Hanna: Den Einfluss des Herbstes und Winters spüre ich besonders in meiner Aktivität. Ich bin morgens sowie abends müder und antriebsloser als im Sommer. Am Tagesanfang fehlt mir oftmals die Motivation für die anstehende Arbeit. Meine Stimmung hat sich während des Herbstes nicht maßgeblich verändert.

Mia: Ja, das ist bei mir genauso. Vor allem die Kälte und frühe Dunkelheit wirken sich an manchen Tagen auf meinen Antrieb und Stimmung aus

Gibt es Ihrer Ansicht nach Besonderheiten in Bezug auf den Pflegeberuf (mit Schichtarbeit o.ä.)?

Hanna: Aufgrund der Schichtarbeit gibt es oftmals Tage, an denen man zu Zeiten der Herbst- und Wintermonate kaum Tageslicht sieht, oder nicht zu Tageslicht aufwacht. Das verstärkt meine Müdigkeit beim Aufstehen und Motivationslosigkeit am Morgen.

Mia: Ja. Ich fühle mich auch müder und habe das Gefühl, dass an Arbeitstagen kaum mehr Zeit vom Tag bleibt. Und wenn man im Winter mehrere Nachtdienste hintereinander hat, sieht man für diese Tage kein oder nur noch wenig Tageslicht: Man fährt im Dunklen zur Arbeit hin, legt sich morgens im Dunklen schlafen und auch nach dem Aufwachen ist es meist schon wieder dunkel.

Was tun Sie persönlich gegen die Herbstmüdigkeit? Haben Sie Tipps?

Hanna: Ich versuche, wenn möglich mich viel Draußen zu bewegen (Spaziergänge, Joggen etc.) und soweit wie möglich einen regelmäßigen Schlafrhythmus zu entwickeln (mindestens 7 Stunden) Zudem versuche ich an freien Tagen nicht zu lange zu Schlafen und mich vitaminreich und gesund zu ernähren.

Mia: Wenn die Tage wieder kürzer werden supplementiere ich Vitamin D und achte auch noch einmal mehr auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Ich versuche auch mich viel zu bewegen und nutze deshalb die schönen Tage für lange Spaziergänge und die abendlichen Stunden für eine gemütliche Yogaeinheit.

Wie aus dem Interview hervorgeht bemerken Personen, die in Schichten arbeiten, einen deutlichen Einfluss der dunklen Jahreszeit auf ihre Stimmung sowie Aktivität. Dabei geben die beiden Kinderkrankenschwestern hilfreiche Tipps, wie sie persönlich mit der Herbstmüdigkeit und der Schichtarbeit umgehen. Unter anderem helfen Bewegung und frische Luft sowie ein regelmäßiger Schlafrhythmus gegen die Müdigkeit. Zudem versuchen die Kinderkrankenschwestern auf eine gesunde und vitaminreiche Ernährung zu achten oder ergänzen Vitamin D. Damit befolgen die beiden schon viele Tipps, die auch von Experten zur Behandlung der Herbstmüdigkeit gegeben werden. Wir haben weitere Experten-Tipps, um der Herbstmüdigkeit vorzubeugen und die Symptomatik zu lindern, für euch zusammengetragen (2).

6 Experten-Tipps, wie Sie der Herbstmüdigkeit entgegenwirken können

  1. Licht – Versuchen Sie Licht ins Dunkel zu bringen und so viel Tageslicht abzubekommen wie möglich. Ist dies aufgrund der Schichtarbeit nur schwer möglich kann auch eine Lichttherapie hilfreich sein. Aber auch Geräte für zu Hause können verwendet werden: Durch künstliches Licht mit hohen Lux-Zahlen von ca. 10000 kann sich die Stimmung verbessern. So wirken Sie dem winterlichen Lichtmangel entgegen.
  2. Bewegung und Sport – Körperliche Aktivitäten, vor allem im Freien, können der Herbstmüdigkeit entgegenwirken. Wenn Sie sich draußen bewegen bekommen Sie zudem noch Licht ab, was einen zusätzlichen Vorteil mit sich bringt.
  3. Ernährung – eine vitaminreiche, gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Protein sowie unverarbeiteten Nahrungsmitteln wird empfohlen. Dabei sollte auch trotz der Schichtarbeit auf regelmäßige sowie gesunde Mahlzeiten geachtet werden.
  4. Vitamin D einnehmen – Ein Mangel an Vitamin D kann eine Ursache für Depressionen sein. Demnach kann die Einnahme von Vitamin D der  SAD und S-SAD vorbeugen.
  5. Entspannung – Versuchen Sie sich zu entspannen und Stress, soweit es geht, zu vermeiden. Dabei können Achtsamkeitsmeditationen, Yoga oder auch Walking hilfreich sein.
  6. Soziale Kontakte pflegen – regelmäßiger Kontakt zu anderen ist hilfreich, um die Stimmung zu verbessern. Auch wenn die Schichtarbeit dies nicht so oft zulässt, sollten soziale Kontakte ganz oben auf Ihrer Prioritäten-Liste stehen.  

(1) Klöckner, Lydia (2012, November 5): Wir befinden uns im Energiesparmodus. Abgerufen am 26. Oktober 2020 von https://www.zeit.de/studium/2012-10/Lichtmangel-verringert-Leistungsfaehigkeit#comments

(2) Melrose, S. (2015) Seasonal Affective Disorder: An Overview of Assessment and Treatment Approaches. Depression Research and Treatment, vol. 2015, Article ID 178564, 6 pages, 2015. https://doi.org/10.1155/2015/178564

(3) Gründer, G. (2020, Oktober 26). Saisonal abhängige affektive Störung. In Dorsch Lexikon der Psychologie. Abgerufen von https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/saisonal-abhaengige-affektive-stoerung

(4) Kasper, S., Pjerk, E. (2004) Diagnose und Behandlung der subsyndromalen SAD. In: Kasper, S., Möller HJ. (eds) Herbst-/Winterdepression und Lichttherapie. Springer, Vienna. https://doi.org/10.1007/978-3-7091-0592-4_4


Tweet on TwitterShare on Linked In

Der Ken-Burns-Effekt der Psyche

19/10/2020 10:09:10.




Warum wir die seelische Gesundheit jedes Einzelnen im Kontext betrachten sollten 

Es gibt beim Film eine Aufnahmetechnik, die nach dem Kameramann, der diese erfunden hat benannt wurde: den „Ken-Burns-Effekt“. Hierbei wird zunächst ein bestimmtes Detail einer Szene in den Fokus gerückt, oft sogar ein rätselhafter Aspekt, der keinen unmittelbaren Rückschluss auf die ganze Szene, auf das vollständige Bild erlaubt. Im Anschluss wird durch Veränderungen des Bildausschnitts und der Brennweite des Objektivs das ganze Bild und somit der Kontext des Details gezeigt und es entsteht oftmals ein „Aha-Effekt“. 

Viele Menschen denken bei dem Begriff „seelische Gesundheit“ an Krankheitstage, Rentenanträge und Ausfallzeiten wegen psychischer Störungen. Oder an das Stigma, wenn jemand tatsächlich erkennbar unter einer seelischen Erkrankung leidet. Weitere denken an die 17-25% der Mitbürger in allen westlichen Kulturen, die nach diversen Schätzungen und Erhebungen an seelischen Störungen erkrankt sind. Das ist alles irgendwie richtig und doch nicht das ganze Bild. Sondern jeweils nur ein bestimmter Aspekt, ein Detail, das gern mal in den Fokus gerückt wird.

In diesem Blogbeitrag ist es uns ein Anliegen einmal das ganze Bild zu betrachten, gewissermaßen den Ken-Burns-Effekt anzuwenden. 

Seelische Gesundheit beinhaltet zwei Begriffe, die schwierig zu definieren sind. Auch wenn es in der deutschen Sprache oftmals einfacher erscheint von „Seele“ statt „Psyche“ zu reden, stellt dies zum Beispiel eine Schwierigkeit für die Menschen dar, für welche Seele etwas mit Religion zu tun hat. Betrachten wir es neutral, so sollten wir von der Psyche als non-materiellen Teil des Menschen reden. Die Psyche steht für uns mit Funktionen des Gehirns in Verbindung, ohne dass bis heute erklärbar wäre, welche Funktionalität welcher Nervenzellen wirklich „Psyche“ macht. Fragmente sind bekannt und erforscht und einzelne Aspekte von psychischen Funktionen können mittlerweile einzelnen Bereichen im Gehirn zugeordnet werden. Dennoch sind noch so viele Fragezeichen vorhanden, dass es sinnvoll erscheint, bei der Definition von Psyche zunächst nur den non-materiellen Anteil zu betrachten und Spekulationen über die physische Präsenz, Wurzel oder Ursache weitgehend zu vermeiden. 

Ähnlich schwierig ist die Frage danach, was denn „Gesundheit“ ist. Ist es das Fehlen von Krankheit, ist es ein Zustand des Wohlbefindens, ist es die Möglichkeit, innerhalb einer Gruppe von Menschen mit gleichartigem Zustand einfach nicht aufzufallen? Ist Gesundheit eine objektivierbare Eigenschaft, ein von außen messbarer und erkennbarer Zustand, oder eher ein individuelles und ganz subjektiv empfundenes Erlebnis? Schon bei der Betrachtung von körperlichen Auffälligkeiten wird deutlich, dass ein Zustand, der dem Einen als „krank“ erscheint, von einem anderen als „ist halt so und ist nicht krank“ wahrgenommen wird. 

Das Gefühl, was eine Krankheit ist – und damit eben auch das Gefühl, was Gesundheit ist – ist sehr individuell. Nirgendwo wird dies deutlicher, als bei der Betrachtung von seelischer Gesundheit. Das heißt nicht, dass psychische Erkrankungen „individuelle Befindlichkeitsstörungen“ sind. Es bedeutet, dass es für jeden eine Herausforderung darstellt, das Leiden des Einzelnen zu betrachten und zu würdigen, ohne die eigene, individuelle Wertung einzubringen. Weil wir nicht nachfühlen können, was in der Psyche des Anderen vorgeht. Wir können es vielleicht ahnen, wenn wir ähnliche Erfahrungen gemacht haben - doch wir können es niemals wissen. Respekt vor dem Erleben und dem Leiden des Gegenübers ist daher der erste und zugleich wichtigste Schritt, um dem angemessen begegnen zu können, was für unsere Mitmenschen das Fehlen von seelischer Gesundheit bedeutet.

Zurück zu Ken Burns. Das visuelle Erlebnis, wenn aus einem kleinen Ausschnitt, der vermeintlich eine sichere Interpretation erlaubt, plötzlich ein großes Ganzes wird, dessen Aussage eine völlig andere ist, ist oftmals überraschend und manchmal erschreckend. Genau so geht es uns allen – sowohl Psychiatern und Psychotherapeuten als auch Angehörigen, Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen – wenn wir das seelische Leid, die psychische Belastung eines Menschen einmal von ganz oben betrachten. Einmal das große Ganze sehen und nicht nur den kleinen Ausschnitt, der von häufig unverständlichen und merkwürdigen Symptomen und Befunden gekennzeichnet ist. Weinen, Antriebslosigkeit, Traurigkeit, aber auch Unruhe, Kaufrausch, Stimmenhören oder Verfolgungsgefühle erleben – das alles sind die offensichtlichen Aspekte, gewissermaßen die Details und Bildausschnitte. 

Doch seelische Gesundheit oder Krankheit bedeutet so viel mehr. Es beinhaltet eine Einbindung in soziale Strukturen oder eine Ausgrenzung, eine Ablehnung oder Annahme der Person, eine Wahrnehmung des Gefühls des Einzelnen oder ein Wegsehen. Die Woche der seelischen Gesundheit sollte uns ein Anliegen sein, das große Ganze zu sehen, das jeder Einzelne verkörpert, auch wenn uns kleine Details (negativ) beeindrucken. Denn dadurch können wir erkennen, dass im großen Bild viel mehr Details verborgen sind – und auf einmal finden sich Gemeinsamkeiten zwischen Menschen, die eigentlich so unpassend schienen. Betroffene, deren seelische Gesundheit nicht so ganz auf der Höhe zu sein scheint, dürfen nicht auf diesen einen Aspekt reduziert werden. Und alle anderen, denen das Thema eher fremd und nicht sie selbst betreffend erscheint, können dadurch ganz leicht erkennen, dass es gar nicht so fern liegt, dass auch in ihrem Bild das eine oder andere Detail Auffälligkeiten zeigen könnte. Denn jeder Mensch besteht aus einem großen Ganzen mit vielen einzelnen, individuellen Details. 

Wir sollten uns also bemühen, bei der Würdigung von seelischer Gesundheit oder dem Fehlen dieser Gesundheit weniger kritisch die einzelnen Details zu interpretieren, die uns vielleicht doch in die Irre leiten, als vielmehr das ganze Bild zu betrachten und zu erkennen, dass wir selbst viele Bezugspunkte haben. 


 

Auf unserem Instagram-Kanal erklärt unsere Psychologin Saskia Blömeke in der Aktionswoche vom 12. bis zum 16.10. jeden Tag eine kleine Übung, um der eigenen seelischen Gesundheit ad hoc etwas Gutes zu tun.


Tweet on TwitterShare on Linked In

First Previous 1 [2] 3 Next Last