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Was uns wirklich antreibt: Wie Motivation und Arbeitsplatzzufriedenheit in der Pflege gelingen können

23/08/2021 21:01:24.




Der Sommerurlaub ist vorbei, der Alltag steht wieder vor der Tür und klopft mit herausfordernden Aufgaben an. Dem ein oder anderen mag die Motivation in der aktuellen Zeit noch schwerer fallen.  In der Pflege sind Abwanderungstendenzen in andere Branchen nicht erst seit der Corona-Pandemie zu einem Problem geworden. Die Pandemie hat zusätzlich aber dazu geführt, dass persönliche Ressourcen von Mitarbeitenden auch in der Freizeit (siehe unsere Infografik zu Stressbelastung in der Pflege) nicht mehr ausreichend aufgebaut werden können. 
Umso wichtiger ist es, an der Aufrechterhaltung der Motivation zu arbeiten. Für diese ist die Identifikation der eigenen Bedürfnisse und Ziele bei der Arbeit ein entscheidender Schritt, den wir in unseren Fortbildungen gehen möchten. In der Reihe #coacheserzählen gibt uns dieses Mal unser Coach Larissa Kalka einen Einblick in ihre Arbeit und zusätzlich eine kleine Übung für jeden Tag an die Hand…


Die Fortbildungen zum Thema Motivation und Arbeitsplatzzufriedenheit liegen mir persönlich am Herzen. Auch wenn das Herausarbeiten von zugrundeliegenden Bedürfnissen und Ableiten von Zielen auf der Arbeit manchmal ganz schön viel Zeit und Arbeit kostet, so freut es mich doch immer wieder, wenn ich mit den Teilnehmern an einen Punkt komme, an dem sehr viel mehr Klarheit herrscht über das, was für den Einzelnen wichtig und erstrebenswert ist. Wie wir dort in den meisten Fällen landen, will ich versuchen heute besser darzustellen.

Bereits zu Beginn der Fortbildung arbeite ich eng mit den Teilnehmern an deren persönlichen Vorstellungen, indem ich ihre persönliche Definition von Motivation erfrage. Meist ergibt sich eine ganze Bandbreite von Antworten, die noch diffus wirkt und von ganz konkreten Ergebnissen („Zufriedenstellen von Bewohnern“) über Gefühle und Werte („Spaß“, „Sinn“) bis zu praktischen Ableitungen („Gehalt“) reichen.

In Gruppenarbeiten versuchen wir dann diese ersten Anregungen weiter auszuformulieren und zu schärfen. So gilt es z.B. noch einmal tiefer darüber nachzudenken, was einen selber generell motiviert und was die eigene Motivation senken und steigern kann. In der Pflege tauchen bei dieser Aufgabe bei den motivierenden Faktoren immer wieder auf: 
  • Zufriedenheit der Bewohner
  • wichtiger Beruf
  • selbstständiges Arbeiten
  • Dankbarkeit
  • sicherer Beruf
  • abwechslungsreich
  • Lob/ Wahrnehmung/ Anerkennung von Vorgesetzten
  • anderen Menschen helfen können

Besonders motiviert und zufrieden am Arbeitsplatz fühlen sich die meisten Teilnehmer dann, wenn sie Lob oder Anerkennung von Bewohnern, Kollegen oder Vorgesetzten bekommen. Auch gegenseitige Unterstützung unter Kollegen,    genug Zeit und Personal, Weiterbildungsmöglichkeiten sowie ein geregeltes Einkommen sind oft motivierend. Unklare Aufgabenstellungen, Mobbing und das Gefühl der Überforderung kristallisieren sich in meiner Wahrnehmung als größte Demotivatoren heraus.

An diesem Punkt der Fortbildung wird den Teilnehmern meistens klarer, dass Motivation sehr individuell von den wiederum individuellen Bedürfnissen des Einzelnen abhängt. Und dass die Kunst darin besteht, diese Bedürfnisse zunächst einmal klar zu reflektieren, um dann eigene Ziele zu erarbeiten. Anschließend beschäftigen wir uns neben theoretischen Modellen mit den individuellen Bedürfnissen. Damit kommen ich und die Teilnehmer theoretisch unterstützt zu dem wichtigen Punkt: Die Auseinandersetzung mit den individuellen Bedürfnissen im Berufsleben ist enorm wichtig für die Motivation.

Sich spontan mit den eigenen Bedürfnissen zu beschäftigen, die häufig vielleicht auch nur vage oder gar nicht so bewusst bestehen, ist erstmal ungewohnt. Mithilfe aller Teilnehmer gehen wir meistens an einigen Beispielen Bedürfnisse durch – es kommt auch vor, dass ich als Leiterin der Fortbildung Beispiele vorgeben muss. Im Ergebnis höre ich aber dann doch oft, dass es gut sei, sich wirklich gemeinsam hinzusetzen und die Bedürfnisse aufzuschreiben, damit sie bewusster werden können.

Schwer fällt Teilnehmern auch häufig das Ableiten von Zielen aus den Bedürfnissen. Besonders hilfreich können hier Vorschläge von Kollegen sein – immer unter dem Vorbehalt, dass jeder Teilnehmer selbst entscheiden muss, ob die gemachten Vorschläge zu ihr/ ihm passen. Denn, und das betone ich gerne auch immer wieder, Bedürfnisse sind sehr individuell und jeder Teilnehmer kann und möchte diese wahrscheinlich anders erfüllen. Trotzdem können die Vorschläge der Kollegen oft helfen, weil sie neue Perspektiven und Blickwinkel für die Betroffenen aufzeigen können. Wir gehen in unserer Arbeit deshalb immer anhand von persönlichen Beispielen der Teilnehmer mehrere Bedürfnisse durch, zu denen wir Ziele gemeinsam ableiten.

Die ein oder andere Schwierigkeit kommt da natürlich auch auf. Zum Beispiel: Wie kann ich meine Bedürfnisse wahrnehmen, wenn so viele Bedürfnisse anderer Menschen um mich herum dies erschweren? Bedürfnisse, die automatisch viele Personen involvieren – wie das Bedürfnis nach besserer Teamarbeit – sind schwieriger zufriedenzustellen, weil sie mehr Aufwand auch von anderen erfordern. Um Ziele leichter zu erreichen, beschäftigen wir uns am Ende der Fortbildung mit einer 4-Felder-Tafel und mit Wenn-Dann-Plänen (z.B. Faude-Koivisto & Gollwitzer, 2009). Das Einordnen in eine 4-Felder-Tafel geordnet nach Wichtigkeit und nach Erreichbarkeit der Ziele stellt sich als sehr hilfreiche Übung heraus und hat schon oft zu einem Aha-Moment bei meinen Teilnehmern geführt. Erstaunlicherweise auch dann, wenn Hindernisse deutlich wurden. Wenn sich ein Ziel als schwierig erreichbar herausstellt, aber klare Hindernisse erkannt werden, die es zu überwinden gilt, wird es doch handhabbarer.

Die Fortbildungen zum Thema Motivation und Arbeitsplatzzufriedenheit sind sehr intensiv und bedürfen einer sehr vertrauensvolle Atmosphäre untereinander, weil sich die Teilnehmer mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzen, die häufig nicht direkt bewusst sind oder manchmal nur vage. 
Dies macht die Arbeit an dieser Stelle auch häufig für mich herausfordernd, in den Fällen, in denen es manchmal schwierig ist, an die hinter Zielen liegenden Bedürfnisse heranzukommen. Diese Fortbildungen hängen deshalb stark von den Beiträgen der Teilnehmer ab.

Was mir vor allem klar wird, ist, dass die Arbeit mit Menschen schon allein eine große Motivation für die in der Pflege Beschäftigten darstellt. Natürlich wird auch die Bezahlung als Motivationsfaktor genannt. Allerdings steht diese nicht allein im Fokus. Vielmehr wird einer wertschätzenden Umgebung eine Bedeutung zugesprochen. Themen, die in diesem Zusammenhang deshalb immer wieder auftauchen, sind das Setzen von Grenzen, von Prioritäten und dies vor allem im Rahmen einer guten Selbstfürsorge. Keine moralischen Verletzungen (alleine) ertragen zu müssen, d.h. die eigenen Werte und Ansprüche im Rahmen des Betriebs verletzt werden, führt ebenfalls zu größerer Motivation. Bei allem bleibt das Erkennen der eigenen Bedürfnisse der erste Schritt.

Deshalb zum Abschluss noch diese kleine Übung:

 

Fangen Sie klein an und üben Sie, einfach wieder in sich hineinzuhorchen. Nehmen Sie sich die Zeit genau jetzt und überlegen Sie: Welche körperlichen Bedürfnisse habe ich gerade (Hunger, Durst, Toilette, Schlaf)? Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Welche Gedanken habe ich gerade? Welche Gefühle spüre ich gerade? Diese Übung kann gern kurz sein, eine Minute reicht schon aus. Bauen Sie sie so oft wie möglich in Ihren Alltag ein. Dadurch trainieren Sie, eigene Bedürfnisse besser und schneller wahrzunehmen, und können dementsprechend auch schneller auf sie reagieren. 

Die körperlichen Bedürfnisse zählen wir als „Selbstfürsorge Basis“ – wer es schafft, seine körperlichen Bedürfnisse regelmäßig und zuverlässig zu erfüllen, der hat schon ziemlich viel geschafft. Leider ist dies keine Selbstverständlichkeit mehr.


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