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Der coachforcare Blog

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Alle im selben Boot? Teamentwicklung in der Pflege bedeutet Arbeiten an der inneren Haltung

02/08/2021 18:29:48.





Alle sollen voneinander lernen und ihre Entwicklungspotenziale nutzen –Arbeiten im Team ist leider nicht immer ganz so einfach, wie es häufig gepriesen wird. Unser jüngst zu uns gestoßenes Teammitglied Salim Khamoush (den wir – vermutlich dank seiner vorbildlichen inneren Haltung – ziemlich schnell in unser Team integrieren konnten) gibt einen Einblick in seine Arbeit bei unseren Fortbildungen zum Thema "Teamentwicklung in der Pflege". Dabei macht er in seinem Beitrag aus der Reihe #coacheserzählen deutlich, dass es für die Entwicklung funktionierender Teams vor allem um die Arbeit an der inneren Haltung aller Beteiligten geht…

Die besondere Chance von Teamentwicklungsfortbildungen, die aber gleichzeitig auch eine Herausforderung darstellt, ist der Umstand, dass sie i.d.R. aus einer Terminreihe bestehen. Während z.B. in Fortbildungen zu den Themen „Schlaf“ und „Selbstfürsorge“ die TeilnehmerInnen in einem Schwung viel Input bekommen, wie sie ihr persönliches Schlafverhalten ändern oder gesundere Selbstfürsorge-Rituale entwickeln können, schauen wir bei der Teamentwicklung über die Teamsituation auf die Verhältnisebene, auf die Art und Weise wie die Teammitglieder miteinander interagieren und als Team harmonieren und funktionieren.

Behandelt werden hierbei die verhältnisbezogenen Faktoren, die zur Gesundheit der TeilnehmerInnen beitragen. Es geht um Fragen wie: Wie werden Absprachen im Team getroffen? Werden Absprachen eingehalten? Wird Feedback gegeben/angenommen? Wenn ja, wie? Welche Umgangsvorhanden lassen sich vorfinden? Welche wünschen sich die Teammitglieder? Wieso lassen sich die Wünsche evtl. nicht umsetzen?

Die Teamentwicklung gibt den TeilnehmerInnen einen Rahmen, um ihre Bedürfnisse zu formulieren. Sie werden konkret gebeten, sich z.B. Gedanken dazu zu machen, wovon sie „mehr“ wollen, was „weniger“ stattfinden soll usw. Wann macht man sich als ganzes Team schon Gedanken dazu? Unsere Fortbildung zur Teamentwicklung bietet genau diesen Rahmen, Konflikte oder persönliches Unbehagen zu formulieren und auch zu adressieren. Da das Lösen von Konflikten und die Veränderung des eigenen Verhaltens aber eben Zeit und Raum brauchen, um sich zu entwickeln, werden mehrere Termine geplant, um Entwicklungen anzuregen, festzustellen und zu begleiten.

Ich gebe meinen TeilnehmerInnen oftmals kleine Hausaufgaben auf. Sie sollen kleine Handlungsimpulse in der Praxis umsetzen und schauen, wie dies ihnen gelingt und wie es ihnen dabei geht. Davon sollen sie dann beim nächsten Termin berichten. Das fühlt sich für den einen oder die andere TeilnehmerIn komisch an, allerdings bieten diese Hausaufgaben bei Bedarf die nötige Initialzündung, um gewohnte Muster aufzubrechen, in denen sich einzelne Teammitglieder oftmals gefangen fühlen.

Ich hatte vor einiger Zeit eine sehr schöne Teamentwicklungsfortbildung, an die ich sehr gerne zurückdenke: In der Fortbildung wurde deutlich, dass Veränderungen sehr stark von innerer Haltung abhängen. Die Haltung der Teammitglieder zueinander, zu Veränderungen und generell zu ihrer Arbeit. In dem Team, das seit Jahrzehnten in der mehr oder weniger gleichen Konstellation existierte, war ein frischgebackener Gesundheits- und Pflegeassisten dazugestoßen. Für das Team, das aus lauter Gewohnheitstieren bestand, stellte das eine nicht leicht zu vernachlässigende Veränderung dar. Jede Veränderung im Team muss von der gesamten Mannschaft wahrgenommen, akzeptiert und aufgearbeitet werden und dies hängt ab von der Grundhaltung jedes einzelnen.

Der Neuling äußerte während der Fortbildung irgendwann ganz leise die Sorge, dass er sich noch nicht angekommen und angenommen fühlt vom Team und ihn dies beschäftigte. Eine seiner Kolleginnen meldete sich zu Wort, schaute dabei allerdings mich an und äußerte, dass jeder Neue sich eigenständig eingliedern müsste. Hier kommt die angesprochene Haltung zutage. Kann eine Veränderung im Team nur von einer Person wahrgenommen, akzeptiert und aufgearbeitet werden? So einfach, wie es sich die genannte Teilnehmerin vorstellte, ist es leider nicht. Das Phasenmodell nach Tuckmann (1965), wonach jedes leistungsstarke Team die vier Phasen Forming, Storming, Norming, Performing durchläuft, greift auch bei jeder neuen Veränderung in der Teamkonstellation und diese Veränderung muss von allen Beteiligten, also von allen Teammitgliedern, aufgearbeitet werden. Dieser eigenen Verantwortung sollte sich jedes Mitglied  bewusst sein. Hier geht es um Haltung. Ich hoffe und wünsche dem neuen Teammitglied sehr, dass er sich mittlerweile angekommener und wohler fühlt in seiner neuen Gruppe.

Haltung zeigen, kann auch bedeuten, sich den eigenen Schwächen und Entwicklungspotenzialen zu stellen. Zum einen betrifft dies das Annehmen von Feedback, das eingeübt werden kann. Zum anderen gehört dazu aber auch, die Haltung sich selbst gegenüber einzunehmen, sich als ein stets weiter entwickelndes Individuum mit Schwächen und Punkten, die einen eben unperfekt und menschlich machen, anzusehen und anzunehmen.

In einigen Fortbildungen höre ich, dass Feedback im Team von einzelnen sehr schwer angenommen wird oder zu persönlich und als Angriff aufgefasst wird. Ich stelle dann ganz oft die provokante Frage (Anmerkung: Ich stelle ganz gerne und häufig ziemlich provokante Nachfragen wink), ob die betroffene Person wirklich glaubt, dass ihr/e Kolleg/In das Feedback mit bösen Absichten gegeben hat. Hier wird dann tatsächlich lange gegrübelt und eingesehen, was die Bedeutung von Feedback ist.  Feedback ist ein so wertvolles Instrument, um persönliche Entwicklungsfelder zu identifizieren und als Team noch besser und stärker zusammenzuarbeiten. Ein Team zeichnet sich dadurch aus, dass ein Ziel geteilt wird und alle Teammitglieder ihren Beitrag zur Zielerreichung beitragen. Gibt jemand wertschätzendes und wohlwollendes Feedback, wird Energie freigesetzt, dass Entwicklung ermöglicht und zu einer noch besseren Teamarbeit beiträgt. Wenn man jeden Tag alles nach Muster x macht und davon ausgeht, alles schon super zu machen, verspielt man sich selbst so leider Entwicklungsmöglichkeiten.

Ein Lehrer sitzt nach seinem Studium und dem Referendariat so gut wie nie im Unterricht eines anderen Lehrers, um sich neue Impulse abzuholen oder um seinen eigenen Unterricht zu reflektieren. Schüler finden gewiss bestimmte Lehrer besser oder schlechter als andere und nutzen dafür implizite Kriterien. Aber ich habe kaum einen Lehrer erlebt, der sich aktiv Feedback von seinen Schülern oder Kollegen geholt hat. Ich persönlich nehme mir vor, mindestens einmal im Monat bei einer Fortbildung meiner Kollegin zu hospitieren oder sie auch mal mit zu einiger meiner Fortbildungen mitzunehmen. Den Mehrwert stellen die intensiven Gespräche auf der Autofahrt Richtung Büro dar, die wir führen um uns auszutauschen. Wir gehen dabei sehr wertschätzend miteinander um. Nicht nur das Geben sondern auch das Annehmen von Feedback ist eine Kunst und benötigt eine offene und wohlwollende Haltung. Also warum nicht mal den/die eigene/n Kolleg/In überraschen und einfach mal ein ehrliches Feedback einfordern…?


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