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Süßes oder Saures? Halloween in Zeiten von Corona

30-10-2020.




Das passende Fest für den richtigen Anlass

Halloween ist der Abend vor Allerheiligen und wird seit Jahrhunderten in Irland, später auch in den USA und Kanada und letztlich seit etwa 30 Jahren von dort „exportiert“ auch in Deutschland gefeiert. Die Idee des Festes ist eine Mischung aus Sommerendfest, Gedenken an die Toten, wie zu Allerheiligen und Allerseelen, Vertreibung von inneren Ängsten und äußeren Bösewichten und überhaupt die Idee, vor dem herannahenden Winter noch einmal eine wirklich wilde Feier zu veranstalten. Auch wenn dieses Fest in der irischen Renaissance den Kelten als Urheber zugeschrieben wird, so wird das doch eher bezweifelt – es ist am ehesten eine Mischung aus gesammelten keltischen Ideen und Abläufen mit christlich-katholischen Terminen und den Hoffnungen und Befürchtungen einer einfachen, ungebildeten Landbevölkerung.

Todesengel vs. Pflegeheld - Was hat Halloween mit der Pflege zu tun?

Zu Halloween wird der Toten gedacht, in einer eher schrillen, skurrilen und oftmals auch schaurigen Variante. Kindern und Erwachsene verkleiden sich dem dem Anlass gerecht – als Tod, als Teufel, aber auch als Hexe und Zauberer oder als Gespenst. Nicht selten finden sich auch Verkleidungen, die einen Schutz vor den Toten und dem Tod oder eine Abwehr des Sterbens demonstrieren sollen.  Die „todbringende Krankenschwester“ ist in den letzten Jahren immer wieder als Halloween-Figur aufgetreten, Kostüme gab es fertig zu kaufen oder sie wurden liebevoll gebastelt. Der Todesengel der Pflege. Damit wurde – bewusst oder unbewusst – eine Bezugnahme hergestellt zu den wenigen Pflegekräften, die ihren Beruf besser nicht ausgeübt hätten, weil sie Patienten schadeten oder diese gar aktiv umbrachten. In den letzten 100 Jahren wurden ungefähr 40 Pflegekräfte beschrieben, die im Berufskontext zu Mördern und Mörderinnen wurden.

Noch viel deutlicher sind aber mit diesen Kostümen jene Menschen verunglimpft worden, die seit 20 oder 30 Jahren in der westlichen Zivilisation, unserem aufgeklärten und ach so fortschrittlichen Teil der Welt, die einzigen gewesen sind, die bei den Todkranken und Sterbenden ausgeharrt haben, diejenigen, die tatsächlich einem fremden Menschen am Ende seines Lebens das letzte Lächeln, den letzten Händedruck und die letzte Streicheleinheit gegeben haben. Die Helden der Pflege.

Süßes oder Saures?

Heute ist wieder Halloween. Mehr als in den letzten Jahren, mehr als wir alle uns erinnern können, wird es ein Fest der Toten, der Sterbenden sein. Weltweit sterben Menschen an vielen Erkrankungen, doch in diesem Jahr werden viele Menschen an einer Infektion mit einem bösartigen Atemwegsvirus sterben. Die einzige Halloween-Verkleidung, die in diesem Jahr angemessen wäre, ist, sich einmal für ein paar Stunden als Pflegekraft anzukleiden – einschließlich des atmungsinaktiven Schutzanzuges, in dem schon nach 20 Minuten der Schweiß vom Rücken in einer langen Bahn bis zum Gesäß rinnt, einschließlich einer FFP-2-Maske, bei der jeder Atemzug schmerzt, weil man die Luft einsaugen muss, wie mit einem Strohhalm, einschließlich des Plexiglasvisiers, dessen Kopfhalterung spätestens nach 30 Minuten wie ein Schraubstock den Kopf zu erdrücken scheint.

Alle Halloween-Feiern sind abgesagt. Es wäre auch zu schaurig, wenn kleine, als Tod verkleidete Kinder an zahlreichen Haustüren klingeln und neben den netten Sprüchlein auch ein Viruslein daließen. Oder die Süßigkeiten auch noch mit Corona verziert überreicht werden. Es wird wohl vor allem Saures geben, dieses Jahr. Das Süße heben wir uns auf für die Tage nach Corona.

Erinnern wir uns an den Ursprung. Halloween wurde gefeiert, um die bösen Geister des Winters zu erschrecken und zu verhindern, dass sie in der dunklen Jahreszeit zu viel Macht bekommen. Und es wurde am Vorabend der Tage gefeiert, an denen wir der Verstorbenen gedenken und uns erinnern. Kaum ein anderes Fest passt besser in diese Zeit als Halloween.

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