nurse beach meditation

20.04.2020 | Nina Schulze

Selbstfürsorge für Pflegekräfte

„Wenn ich mal Zeit habe…“ Mit diesen Worten beginnen die meisten der Antworten, wenn ich Menschen danach frage, was Selbstfürsorge für sie bedeutet. Unsere Gesellschaft ist von Leistungsdruck und Anforderungen geprägt und wir haben einfach immer weniger Zeit für uns selbst. Für Pflegekräfte gilt das ganz besonders – erst werden die Patienten versorgt, dann kann man mal über eine Pause nachdenken. Dabei ist Selbstfürsorge so wichtig! Wenn wir nicht selbst auf uns aufpassen, wird es höchstwahrscheinlich auch niemand anderes für uns übernehmen. Und nur wenn wir selbst auf uns aufpassen, sind wir auch in der Lage, anderen zu helfen. Ein Beispiel?

Vor jedem Flug vollführen die Flugbegleiter das sogenannte „Sicherheitsballett“, bei dem die Passagiere grundlegende Verhaltensregeln für den Notfall vermittelt bekommen. Einer dieser Notfälle ist Druckabfall, da kommen aus der Klappe über dem Sitz Sauerstoffmasken gefallen. Die Anweisung ist eindeutig: Helfen Sie erst sich selbst und danach anderen Personen, die Hilfe benötigen. Warum? Sonst sind Sie vermutlich ohnmächtig, bevor Sie überhaupt jemandem geholfen haben.

Und genau das ist das Prinzip von Selbstfürsorge: Nur wer mit sich selbst fürsorglich umgeht, kann diese Selbstfürsorge dann auch anderen Menschen zukommen lassen. Achten Sie auf sich, auf Ihre Bedürfnisse und Grenzen, denn nur so sind Sie stark genug für alles, was die Welt Ihnen entgegenwerfen mag. Und Pflegekräften wird viel entgegengeworfen!

Wie genau machen wir das jetzt, gerade in Zeiten, da die Pflege stärker gefordert und belastet ist und noch weniger Zeit für Selbstfürsorge bleibt? Wir haben drei Übungen für Sie: 

  1. Fangen Sie klein an und üben Sie, einfach wieder in sich hinein zu horchen

    Nehmen Sie sich die Zeit genau jetzt und überlegen Sie: Welche körperlichen Bedürfnisse habe ich gerade (Hunger, Durst, Toilette, Schlaf)? Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Welche Gedanken habe ich gerade? Welche Gefühle spüre ich gerade? Diese Übung kann gern kurz sein, eine Minute reicht schon aus. Bauen Sie sie so oft wie möglich in Ihren Alltag ein. Dadurch trainieren Sie, eigene Bedürfnisse besser und schneller wahr zu nehmen, und können dementsprechend auch schneller auf sie reagieren. Gerade die körperlichen Bedürfnisse zählen wir als „Selbstfürsorge Basis“ – wer es schafft, seine rein körperlichen Bedürfnisse regelmäßig und zuverlässig zu erfüllen, der hat schon ziemlich viel geschafft. Leider ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, schon gar nicht für im Schichtsystem arbeitende Pflegekräfte.

  2. Sammeln Sie positive Erlebnisse

    Werden Sie vergnügungssüchtig! Gerade in Ihrem belastenden Job brauchen Sie einen guten Ausgleich. Haben Sie ein Hobby? Machen Sie regelmäßig Sport? Betätigen Sie sich kreativ? All das braucht Ihr Gehirn, um Glücklich sein zu können. Denken Sie dabei nicht nur an große Aktivitäten wie das Training für Ihre nächste Marathonteilnahme. Häufig stecken positive Erlebnisse in Kleinigkeiten, wie zum Beispiel auf Youtube ein Tierbabyvideo zu schauen, eine Postkarte zu schreiben, durch raschelndes Laub gehen, ein paar Kekse backen… Die Liste ist unendlich lang! Was macht Sie glücklich?

  3. Reden Sie

    Tauschen Sie sich aus. Mit Freunden, mit Verwandten, mit Kollegen, mit Partner oder Partnerin. Wir Menschen sind soziale Lebewesen und brauchen andere Menschen. Und wie heißt es so schön? Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn Sie Ihr privates Umfeld nicht belasten möchten, hilft Ihnen auch unsere Hotline. Genau so wichtig ist aber auch die Art, wie Sie mit sich selbst reden. Loben Sie sich, machen Sie sich Komplimente! Vermeiden Sie Kritik und Vorwürfe an sich selbst – die kommen doch meistens schon zu Genüge von außen, oder?

Nehmen Sie sich diese drei Übungen zu Herzen und praktizieren Sie sie täglich. Sie werden merken, dass sich alle Ratschläge auch in einen stressigen Pflegealltag einbauen lassen. Es wird Ihnen zunächst wie „Arbeit“ oder zumindest „Mehraufwand“ vorkommen, doch mit der Zeit wird Ihnen die Umsetzung immer leichter fallen. Nehmen Sie sich die Zeit, seien Sie geduldig mit sich und lernen Sie wieder, auf sich selbst genauso gut aufzupassen wie auf andere Menschen!