Emotionen zeigen und erkennen – trotz Schutzmaske

04.06.2020

Durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, wie es derzeit fast überall erforderlich ist, gehen viele Emotionen verloren, die wir normalerweise im direkten Gespräch über unsere Mimik aber auch bei einer wortlosen Begegnung dem Gegenüber transportieren können. Das emotionale Ausdrucksverhalten hat eine kommunikative Funktion und spielt eine wichtige Rolle bei der Koordination sozialer Beziehungen in der alltäglichen Begegnung mit anderen Menschen.

Die Bedeutung der Mimik in der alltäglichen Kommunikation

Durch den Einsatz unserer Mimik müssen wir viele Dinge nicht aussprechen und zusätzliche können wir Gesagtes unterstreichen und Einordnen. Außerdem erhalten wir durch die Mimik Rückmeldung darüber, wie wir oder unsere Worte bei unserem Gegenüber ankommen. Auch dies geschieht in der täglichen Kommunikation vor allem ohne Worte.

Wenn nun Mund und Nase mit einer Schutzmaske verdeckt sind, kann uns das verunsichern, weil wir nicht einschätzen können, wie unser Gegenüber auf uns reagiert. Dadurch können Verunsicherung, Stress aber auch tieferliegende Kommunikationsprobleme entstehen, ausgelöst durch das Gefühl nicht verstanden zu werden oder sich nicht richtig ausdrücken zu können. Kommunikationsprobleme, die vor allem in der Pflege sowohl in der Interaktion mit den zu Pflegenden, den Angehörigen aber auch im Team häufig vorkommen und zusätzlich verstärkt werden.

Emotionen und Gefühle schnell erkennen und richtig benennen zu können, ist für jede Kommunikation hilfreich. In der Emotionsforschung werden dabei nach Ekman (1973) eine Gruppe von Basisemotionen unterschieden, deren spezifische und gemeinsamen Eigenschaften hinsichtlich ihrer Funktionen größtenteils das Resultat evolutionärer Entwicklungsprozesse sind. Dazu zählen zum Beispiel Ärger, Angst, Trauer, Freude, Ekel, Überraschung, Verachtung, Scham, Schuld, Verlegenheit und Scheu. Zu der Untersuchung der Basisemotionen gibt es bereits zahlreiche unterstützende Untersuchungen (z.B. Ortony, A. & Turner, T. J., 1990; Ekman, P. & Friesen, W. V., 1971). 

Wie gut können Sie Emotionen trotz Maske erkennen?

Wir haben es ausprobiert, wie schwierig es ist Emotionen trotz Maske zu vermitteln aber auch die des Gegenüber richtig zu interpretieren.  Schauen Sie sich zunächst die maskierte Version an. Finden Sie heraus welche Emotion unsere Praktikantin Lisa zeigt? (Die Auflösung folgt weiter unten).

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Wie Emotionen auch mit Maske transportiert werden können

Wie können also Emotionen trotz Wegfall der Mundpartie weiterhin ausreichend transportiert werden z.B. im Patientenkontakt aber auch zwischen Kolleginnen und Kollegen? Der verstärkte Einsatz von Körpersprache bietet hier eine Möglichkeit. Ersetzen kann die Körpersprache unsere Mimik hinsichtlich der Übermittlung von Emotionen jedoch nicht. Trotzdem kann sie das Gesagte ergänzen oder unterstreichen. Denn: die Mimik ist und bleibt die Bühne unserer Emotionen. Trotz Maske sind jedoch weiterhin die Augen und Augenbrauen sichtbar. Und genau auf die kommt es in diesen Zeiten umso mehr an. Getreu nach dem Motto "Schau mir in die Augen, Kleines!". Durch den Wegfall der Mimik der Mundpartie sollten wir uns nun in dieser Zeit auf die Kommunikation durch die Augenpartie konzentrieren. Und wenn es doch mal zu Kommunikationsproblemen kommen sollte ist schließlich das ein oder andere gesprochene Wort mehr nötig, um das Gegenüber zu verstehen und gut miteinander auszukommen.   




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1) Ekman, P. (1973). Darwin and facial expression: A century of research in review. New York: Academic Press (Stangl, 2020).
2) Ortony, A., & Turner, T. J. (1990). What ́s basic about basic emotions? Psychological Review, 97, 315-331. Meyer, Schützwohl & Reisenzein (1999, Kap. 5)
3) Ekman, P., & Friesen, W. V. (1971). Constants across cultures in the face and emotion. Journal of Personality and Social Psychology, 17(2), 124–129. https://doi.org/10.1037/h0030377